Kislew

  1. Scha-alah. Mit dem 13. Kislew beginnt die Regenbitte im Gebete, so lautet die Notiz in deinem Kalender, „wer diese Bitte vergisst, hat noch einmal zu beten.“ Einen Augenblick verweile bei dieser Notiz und beherzige, um dein und deiner Kinder Heil beherzige die Wahrheit, die sie dir bringt. Ist es nicht ein herzzerreißender Gedanke sagen zu können, dass die Erinnerung dieser Kalendernotiz heutzutage ein Stein der Prüfung, eine Probe der Wardeiung, ein Schibboleth ist, woran du dich erkennen kannst, ob du noch gesund, ob dein Inneres, dein heiliges göttliches Innere noch gesund, noch unangegriffen ist von dem Miasma des Wahnes, mit dem geschäftige Boten des Todes das Leben der Menschengemüter zu untergraben sich bemühen? Bittet Gott um Regen, das ist die Forderung dieser Notiz, bittet Gott um Regen zur Regenzeit, es ist Gott, der die Wohlgestalten; des Regens Richtung gibt er ihnen, selbst für einen einzelnen Mann, für ein einzelnes Kraut auf dem Felde! (Secharjah 1) Siehe! das ist der lebendige Glaube des Juden! Er ist nicht blind für die Fülle von Kräften und für die Macht der Gesetze, die sein Meister und der Meister der Natur in das Werk seiner Schöpfung gesenkt. Eine Welt von Tat gewordenen Gottesgedanken ist ihm das All, Mlacháh, Malach, Botschaft, Bote von Gott ist ihm jedes Wesen und jede Kraft, und jedes Gesetz, das Wesen und Kräfte beherrscht. Gottesauftrag vollstrecken sie alle mit allem, und da am meisten, wo der blind gewordene Menschenmaulwurf dumpf hinmurmelt: es ist Naturgesetz, das sie regelt. Dieses Naturgesetz selber ist die lebendigste Offenbarung Gottes, und dass es uns so ewig dünkt, das unzweideutigste Wunder seiner Allmacht. Nicht daher nur, wenn Gottes Geheiß das Weltmeer spaltet und dem Feuer die verzehrende Kraft bändigt, lobsingt der Jude seinem Gott; sondern auch wenn zum millionsten Male der Morgen leuchtet, und zum sechstehalbtausendsten Male der Frühling lächelt, betet der Jude seinen Gott an, der der Sonne ihre Bahn und dem Lichtstrahl sein Gesetz und den Jahreszeiten ihren Wechsel vorgezeichnet. Die Erdwelt aber, die Adamah, dieser Adamsboden, diese dem Menschen vermählte Erdnatur, die Erdballrinde mit der Dunsthülle, die sie mütterlich umgibt, und alles, was in diesem Lebensringe keimet und lebet, stehet nicht nur unter dem Gesetz der einmal vom Meister bei der Schöpfung hingestellten und durch seinen allmächtigen Willen fest gehaltenen Ordnung, dem Menschen ist sie angetraut, dem Menschen, dem der Schöpfer mit dem freien Kusse seiner Gnade einen Funken seines freien ewigen Wesens eingehaucht, und mit diesem Gotteshauche die Macht und die Bestimmung gegeben, sich mit freier ewiger Kraft über das zwingende Muss zu erheben, dem alle andere Wesen und Kräfte nach des Allmächtigen Willen sich beugen, diesem, mit freier Gotteskraft die Naturgesetze überragenden Menschen, ist sie angetraut, als Boden und Reich seines freien Schaffens und Wirkens, aber auch zugleich als Erziehungsstätte seiner Veredlung, Entwicklung und seiner Heranerziehung zu Gott und zu seiner eigenen göttlichen Hoheit und Größe. Hier wacht das besondere Auge Gottes und sein allmächtiger Wille hält hier nicht nur die von ihm geschaffene Ordnung der Natur, sondern lenkt und leitet, gibt und nimmt, richtet und regelt die Erzeugnisse und Gänge ihrer Kräfte nach dem jeweiligen Erziehungsbedürfnisse der Menschheit, der Völker, der Familien, der Menschen. Wehe dir, wenn die Theraphim, die redenden dichtenden Götzen dich mit ihrer Lehre des Awen, der schöpferlosen meisterlosen Kraft betört, wenn die Kossemim, die Deuter der Naturzeichen, nur Lüge erschaut, nur traumgeborenen Wahn verbreiten und „Nichtigkeit“ zum Troste bieten und sie darum ins „Pfadlose wie Schafe wandern und sich damit rechtfertigen, dass es doch keinen Hirten gebe!“ (Secharjah 10, 2.) Wehe dir, wenn das herrlichste Geschenk des Menschheitsgottes, der Stolz des Menschengeistes, die denkende Anschauung der Wunder der Natur, dir den Schöpfer, und Meister und Lenker dieser Wunder, dir den Glauben an deinen Gott geraubt, und dir nicht mehr mit innigem Gefühle die Bitte über die Lippe gehet, „und gib Tau und Regen zum Segen der Fläche der Adamserde.“ Heil dir, wenn, je reicher und tiefer du die Wunder der Natur erschaut, um so tiefer und inniger dich die Verehrung ihres Meisters erfüllt, je deutlicher dir die deiner Welt inne wohnenden Gedanken hervor getreten, um so näher du eben ihn, den großen einzigen Denker dieser Gedanken erkennst, je mehr dir jeder Regentropfen die Wunderweisheit und Wundermacht deines und seines Schöpfers verkündet, umso anbetender du dich zu ihm hinwendest und betest: „o, gib Tau und Regen zum Segen der Welt des Menschen.“ Weil du mit freudigem Herzen es weißt und bekennst, „dass Gott die Wolken bildet, und ihnen die Richtung des Regens gibt, selbst für einen einzelnen Menschen, für ein einzelnes Kraut auf dem Felde.“
  2. Chanuckah. Mit dem Abend des 25ten Kislew zündest du das Chanuckahlicht in deinem Hause an, und mit immer steigendem Lichtgruß tritt 8 Tage lang die Erinnerung einer alten Geschichte aus einer alten Zeit in deinen Kreis. Immer wieder die alte Geschichte? Sterben denn die jüdischen Toten nie? Vergehet denn die jüdische Vergangenheit nimmer? Nein, die jüdischen Toten sterben nicht. Wer für´s Judentum gestorben, noch mehr, wer für´s Judentum gelebt, der stirbt nimmer; ewig dankbar bewahrt sein Andenken das seinen vergangenen Edlen dankbarste Geschlecht. Und die Vergangenheit, die Geschichte, die jüdische Vergangenheit, die jüdische Geschichte, - ewig frisch und ewig neu, tritt sie in ihren großen Zügen an jedes jüngere Geschlecht heran mahnend, warnend, tröstend und erhebend. Und nun gar diese Geschichte! O, dass sie alt wäre, mit ihrem Trüben und ihrem Herrlichen nun nach 2000 Jahren alt, so alt, dass uns das Trübe unbegreiflich und das Herrliche alltäglich erschiene! Es hat sich aber Jeschua lieber Jason nennen lassen, wie sein jüngster Bruder – (Beide waren sie nacheinander Hohepriester!) – für den Namen Chonjah lieber wollte Menelaos genannt werden… Als nun Menelaos samt des Tobias Söhnen solcher Gewalt (im Streit mit dem Bruder ums Hohepriesteramt) weichen mussten, sind sie zum König Antiochus getreten und haben sich erboten, ihre jüdischen Gesetze und Gewohnheiten allzumal abzuwerfen, und sich nach des Königs und der Griechen Satzungen und Gebräuchen zu halten und baten deswegen um Erlaubnis in der Stadt Jerusalem ein griechisches Gymnasium aufzurichten. Und nachdem sie solches erlangt, haben sie sich Vorhäute gemacht, damit sie auch nackt den Griechen gleich und ähnlich schienen, und haben so alle Sitten ihrer Ahnen fahren lassen und sich fremder Völker Gewohnheiten beflissen…) Ist´s eine alte Geschichte? In jenen Tagen traten aus Israel gesetzeswidrige Männer hervor und redeten dem Volke zu und sprachen: Lasset uns gehen mit den Völkern um uns her einen Bund machen: denn seitdem wir uns von ihnen gesondert, haben uns viele Leiden getroffen. Diese Rede gefiel den Augen der Menge und einige aus dem Volke waren bereit und machten sich auf den Weg zu dem König. Der König gab ihnen die Erlaubnis die Sitten der Heiden einzuführen. Da erbauten sie in Jerusalem ein Gymnasium nach griechischer Weise, und machten sich Vorhäute, und standen ab von dem heiligen Bunde und verbanden sich mit den Völkern und gaben sich ganz preis, das Böse zu üben. Ist´s eine alte Geschichte? …stand Jason, Onias Bruder nach dem Hohenpriesteramt, und ging zum König und versprach ihm 360 Talente Silbers und aus anderen Einkünften noch achtzig Talente. Überdies aber verhieß er ihm noch 150 Talente, wenn es seiner Machtvollkommenheit eingeräumt werden sollte, ein Gymnasium und eine Anstalt für die gymnastischen Übungen zu errichten, und Einwohnern von Jerusalem das Bürgerrecht von Antiochia zu verleihen. Da der König solches bewilligt und Jason die Macht erhalten hatte, fing er sogleich an, seine Landsleute zur Annahme der hellenischen Sitten zu verleiten, entfernte die von den alten Königen den Juden gestatteten löblichen Sitten, abrogierte die gesetzentsprechenden Weisen und führte gesetzwidrige Bräuche ein. Ja, er wagte es gerade unter die Burg ein Haus gymnastischer Spiele hin zu bauen und die Besten der Jünglinge zu den dortigen Übungen anzuhalten. Durch die alles überschreitende Frevelhaftigkeit des gottlosen und keineswegs hohenpriesterlichen Jason ward aber der Sporn zum Hellenismus und der Zugang fremder Sitten so stark, dass selbst die Priester nicht mehr um die Dienste des Altars sich kümmerten, sondern den Tempel verachteten, Opfer vernachlässigten, und hinliefen, um sich an den unerlaubten Aufführungen in der Palästra nach dem Aufruf der Wurfscheibe zu beteiligen. Die väterlichen Ehren achteten sie geringe, hellenischer Beifall dünkte ihnen das Höchste. Diejenigen aber, um deretwillen sie sich mit den schwierigsten Verhältnissen umgaben, deren Lebensart sie eifrig nachstrebten, und überhaupt, denen sie gleich werden wollten, die gerade waren ihre Feinde und die Rächer ihres Abfalls; denn gegen göttliche Gesetze zu freveln, ist nichts Geringes. Das aber offenbart erst die folgende Zeit. Ist´s eine alte Geschichte? Wenn dich der religiöse Verfall im jüdischen Kreise mit Schmerz und Trauer erfüllt, wenn du an unserer Zukunft verzweifeln möchtest, wenn du zagend ausrufst: war´s schon so arg zu Israel? dann schau auf diese Geschichte hin, siehe schon einmal vor zweitausend Jahren Hohepriester, Männer des jüdischen Heiligtums, Männer mit dem höchsten religiösen Amte betraut, selber die ersten Verräter an Gott und seinem heiligen Gesetze, die Gunst der Könige durch religiösen Verrat erbuhlen, Verführer des jüdischen Volkes und seiner Jugend, wetteifern mit den „Wohlhabenden und Gebildeten“ ihres Volkes in Verachtung göttlichen Gesetzes und jüdischer Sitte, in Verehrung und Pflege unjüdischer Weise und unjüdischer Bildung, - siehe schon einmal vor Jahrtausenden Bildungsschimmer und politischer Vorteil, „Bürgerrecht“ von Israels Verführern als Köder zum Abfall von Gott und seinem heiligen Worte missbraucht – und siehe wie dennoch diese Zeit des Verrates und des Abfalls überwunden worden, welche Jahrhunderte, Jahrtausende der Treue, der Hingebung, der Aufopferung für Gott und Judentum ihr doch gefolgt – und lerne: vertrauensvoll in die Zukunft blicken. Denn siehe, dieser Abfall, von welchem dir soeben jene Stimmen aus alter Zeit berichteten, war kein von außen provozierter Abfall, war keine Folge des antiochischen Wütens gegen das Judentum; dieser Abfall der jüdischen Gotteslehrer und der höheren gesellschaftlichen Schichten in Judäa war ein freiwilliger, ging jenem Königswüten voran, ja, war ganz eigentlich Veranlassung, ja Urheber des späteren judenfeindlichen Fanatismus. Selbst nicht im Wahnsinn wäre es dem Antiochus eingefallen, Judentum und Juden griechisch reformieren zu wollen, hätten ihm nicht Juden und Judentumspriester zuvor gezeigt, dass bereits das Judenrum in ihren Herzen den Boden verloren, dass sie nur auf Königsbefehl harrten, um den Zeus auf des Ewig einzigen Altar zu stellen – und dass somit gewiss das Volk, die niedere Schicht, leicht hinüber geködert – und hinüber gemartert werden könne! So ist´s in den dunkelsten Jahrhunderten der Verfolgung keinem Machthaber eingefallen, Juden und Judentum reformieren zu wollen. Juden verfolgte man, aber an die Ewigkeit des Judentums glaubte man selbst. Priester und Jünger des 19. Jahrhunderts mussten erst selbst den Fürsten und Völkern das Schauspiel abtrünniger Juden vor die Augen führen, ehe ein Staatsmann an Reformierung des Judentums durch Dekrete und Maßregeln denken konnte. Natürlich! Achte dich selbst, achte deine Vergangenheit, achte dein Heiligtum selber, und wie man auch über dich denke, ob man dir geneigt oder abgeneigt sei, Achtung wird man dir nicht versagen. Achtest du aber selber dich nicht, blickst du selbst mit Verachtung auf die Gräber deiner Väter, hältst du dein eigenes Heiligtum nicht der Achtung, kaum der Kenntnis mehr wert, wie willst du, dass der Fremde dich achte und deine Väter achte? – Vieles magst du in der Welt finden, um Achtung bettelst du dann vergebens. Aber wie hatten „die Männer des Fortschrittes,“ „die Männer der Bildung,“ „die Priester der Reform,“ die politischen Religionshändler der antiochischen Zeit in Judäa sich verrechnet! Hörst du nicht, was dein Makkabäerlicht dir erzählt? Soweit hatten es die abgefallenen Söhne Judäas gebracht, dass zuletzt die Griechen selbst das Gottesheiligtum zum Zeustempel entehrten. Alle Öle der heiligen Gotteslampe hatten sie entweiht. Nur ein Krügchen fanden die siegenden Hasmonäer noch unentweiht; doch es reichte nur für einen Tag. Aber an diesem Einen Krügchen zeigte sich die rettende Wundermacht Gottes. Acht Tage lang versorgte man damit die heilige Lampe, bis man neues Reines bereiten konnte! Lass sie immerhin fanatisch gegen Judentum wüten, mögen links tausend und Myriaden rechts vom Judentum abfallen, so lange sie nicht den letzten Funken Judentum in der Brust des letzten Juden im letzten jüdischen Dorfe zertreten haben, so lange mögen wir, kurzsichtige Sterbliche, zittern; ein reiner Funke, in einer jüdischen Brust treu bewahrt, genügt Gott, um daran den ganzen Geist des Judentums wieder zu entflammen. Und wenn alles Öl, alle Kräfte, die das Gotteslicht in Israel nähren sollten, dem Lichte des Heidentums verfallen wären, ein Krügchen Öl, eine unter hohenpriesterlichem Siegel still und unentweiht in einem vergessenen Winkel treu gebliebene Brust genügt, um, wann Zeit und Stunde gekommen, das Heiligtum zu retten. „Und wenn schon alle Länder Antiochus gehorsam wären und jedermann abfiele von seiner Väter Gesetz, und willigte in des Königs Gebot: so wollen doch ich und meine Söhne und Brüder nicht vom Gesetz unserer Väter abfallen!“ sprach die treue Hasmonäerbrust eines Heldengreises – und Israels Heiligtum war gerettet. Darum gehe hin und zünde dein Licht an am Makkabäerfeste. Dass man es in deiner Synagoge, in deinem Tempel anzündet, das genügt nicht; „zu Hause du und dein Haus ein Licht!“ ist die Chanuckapflicht. Was kann es nützen, wenn wir in den Tempeln Hallelujas singen, wenn wir in den Tempeln in vorüber rauschender Andacht uns Juden nennen, wenn unsere Häuser unjüdisch sind, und wir zu Hause nicht des Lichtes des jüdischen Geistes warten. Nicht aus den Tempeln kam unser Heil und nicht aus den Tempeln kommt unser Heil; aus den Häusern kommt die Rettung. Wie deine Prediger predigen, wie deine Sänger singen, das macht´s nicht aus, wie deine Kinder und Säuglinge lallen, ob jüdischer Geist ihnen leuchtet, objüdischesMark sie kräftiger, ob jüdisches Leben sie erzieht, siehedarin liegt der Sieg und das Heil. Das Tempellicht? Die eigenen jüdischen Hohenpriester hatten es verraten. Das Licht in Mathathias Dorfstube war die Rettung. Zu Hause zünde darum dein Licht an. Und da achte dein Haus nicht gering. Und wärest du selbst der Einzige, der noch den alten Makkabäergeist in seinem Hause bewahrte, ein einzelner Jude, ein jüdisches Haus ist zuletzt selbst genug, um darauf das ganze jüdische Heiligtum wieder zu erbauen. Ja, je weniger Genossen du hättest, je mehr rings um dich der Hasmonäergeist wiche, umso treuer warte du sein, um so ernster bereite du ihm eine Zufluchtsstätte in deinem Hause. Aber vergiss es nicht: „du und dein Haus“, lautet die Forderung. Willst du für´s Judentum gelebt haben, darf es dir nicht genügen dich mit jüdischem Geist zu durchdringen; nur wenn du den jüdischen Geist in deinem Hause vererbt, hast du fürs Judentum gelebt, - und wenn du wie die Mohedrin deine Aufgabe recht verstehst, wird es dir nicht genügen, nur im allgemeinen das Licht des Judentums in deinem Hause leuchten zu lassen, wirst du anzünden, wirst auf jedes Kind, jedes einzelne Glied deines Hauses deine volle Aufmerksamkeit richten, es für´s Judentum zu gewinnen und das jüdische Licht in ihm fortleuchten zu lassen. Mathathiahu konnte ruhig sterben, er wusste, wer von seinen Kindern ihn auch überleben werde, Jochanan oder Simeon, Jehuda, Eleaser oder Jonathan, in jedem war die Flamme des jüdischen Gotteslichtes lebendig. Und stille wirst du nimmer stehen in diesem heiligen Streben, wirst dich nie begnügen mit dem, was du bereits gestern getan, immer vorwärts wirst du streben, immer heller solls in deinem Hause werden, und wenn du gestern ein Licht angezündet, zündest du heute zwei dir an; denn du weißt es ja: den Fortschritt, nicht den Rückschritt gilts im heiligen Streben, und wenn irgendwo, so heißt es hier, wer nicht fortschreitet, geht zurück! Und was du still im eigenen Hause wirkest und schaffest, das wird hinausleuchten über die Grenze deines Hauses, und das freundlich heitere Gotteslicht deines Hauses wird auch den Nachbar wecken zu gleicher lichterfüllten, jüdischen Häuslichkeit. Wirst dich nicht schämen Jude zu sein, wirst stolz darauf sein, dass man in dir, und deinem Hause den Juden erkenne, wirst dich nicht scheuen, dein jüdisches Licht über die Gasse leuchten zu lassen, und nur in der Ungunst der Zeiten, dich damit begnügen, wenigstens dein Haus für´s Judentum zu erhalten, und den Tisch deines häuslichen Lebens zu einem Altare des Gottesheiligtums zu weihen. So zünde denn Licht an in deinem Hause, und es sei dein und der Deinigen Weg, der Weg der Gerechten, wie strahlendes Licht, immer heller, immer lichter bis zum vollen ewigen Tage.