Kislew - ‎Weihe und Begeisterug im Judentum חנכה

enter image description here Von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

Chanuckah, Chanuckah! Morgenroth nnd Frühlingsschimmer liegt auf deinem Worte, Morgenlicht und Frühlingshauch fächelt der Gedanke! Chanuckah, — eine große Chanuckah ist die Knaben- und die frühste Jünglingszeit, in welcher die Knospe des Geistes und Gemüthes sich aufschließt und das verschleierte Allerheiligste der Seele für das Aller-Heiligste gewonnen und der ‏»wach«‎ werdende Mensch »gerüstet« und »geweiht« werden soll für das, »was ihn noch als Mann und als Greis soll durchs Leben geleitete.«

Chanukah ist jeder erhabene und erhebende Moment, in welchem der Mensch ein Werk hat vollbracht, das nicht das Ende, das der Anfang einer Zukunft voller Hoffnung und voller Lebenskeime für ihn werden soll, und er nun mit dem Anknüpfen dieser Zukunft an dieses Werk den Anfang dieser Hoffnungen und dieser Lebenskeime zu erndten gedenke.

»Chanuckah? — so spricht die engbrüstige Weisheit der Sterblichen — »Chanuckah« die Jugend und die Weihe, nur einmal!
Unwirderbringlich ist die Jugend wenn einmal verscherzt, unwiederbringlich die Weihe wenn einmal verloren! Der Mensch ist nur einmal begeistert für das Hohe, der Mensch nur einmal empfänglich für die Weihe. Kindesgemüt, Jünglingsglut, Bräutlichkeit, Weihestimmungen — Poesien sind’s, vom barmherzigen Vater dem armen Menschenherzen zum Troste verliehen, um wenigstens über jeden Anfang den Rosenschimmer der Hoffnung zu decken und das Ende noch mit dem süßen Schmerz der Erinnerungswehmut zu laben. Allein die Wirklichkeit hat nichts von dem Perlentau, der in der Morgensonne glänzte. Die poetischen Keime müssen zertreten werden, wenn die Wirklichkeit sich aufbauen soll, der Mann wird zum Narren, der sich das Kindesgemüt und die Jünglingsglut bewahren wollte. Des Weibes Herz wird gebrochen, das die bräutlichen Träume im Sorgenhaus der Familie erfüllt sehen möchte. Das Haus, der Tempel wird unpraktisch wenn der Inhalt ihrer Einweihungsgedichte wollte mehr als Gedichte bedeuten.«

Und doch steht Chanucka, Chanucka, immer wieder und wieder in dem Kalender unserer Jahre, und doch ist’s diesem Kalender vollendeter Ernst, mit jeder Chanucka eben »Chanucka«, neue Weihe, frische Rüste, erneuten, frischen Anfang dem Tempel- und Familienleben jeder Zeit zu bringen! Und doch straft die Chanucka-Geschichte selbst alle jene engbrüstige Blasphemie von dem blos »Gemachten«, von der bloßen Poesie des Poetischen im Leben Lüge! In der achtzigjährigen Brust eines Greises loderte die Chanucka-Flamme der Begeisterung auf, an der sich das Feuer eines ganzen Volkes entzündete, die Wahrheit und die Weihe, die Heiligkeit und die Heiligung seines Lebens zu retten. Und es war das beginnende Greisenalter dieses Volkes, in welchem es der Begeisterung fähig war, für seines Lebens höchste Güter das Leben mit allen seinen Gütern einzusetzen und eben mit dieser Begeisterung den Anfang, die Chanucka seines — Greisenalters zu beginnen. Und es wäre euch Chanucka, es wäre euch Begeisterung und Weihe Dichtung und Unwahrheit, mit denen man Kinder ergötzt und Jünglinge berauscht, bis sie zur Nüchternheit des Lebens erwachen?

Warum sind euch Begeisterung und Weihe nichts als abgepflückter Blüten Guirlanden, mit denen ihr eure sogenannten »Weihestunden« des Lebens verbrämt, die aber den morgenden Tag nicht erleben und schon Tags darauf wie die welken Kränze einer gestrigen Tempelweihe, einer gestrigen Konfirmation, einer gestrigen Hochzeit ihr: sic transit selbst all der Gefühle und Gesinnungen, all der Entschlüsse und Weihegedanken predigen, die ihr in den »Weihestunden« doch als die ewigen und unvergänglich gepriesen? Warum? Weil eure Begeisterung und Weihe selbst von vornherein eine Lüge. Ihr begeistert, aber es fehlt euch der Gegenstand, für den ihr begeistert, ihr weihet, aber es ist euch das Leben abhanden gekommen, zu dem ihr weihet. Ihr begeistert nicht das Kind für das Pflichtleben der Knaben und Mädchen, den Knaben und das Mädchen nicht für das Pflichtleben der Jünglinge und Jungfrauen, den Jüngling und die Jungfrau nicht für das Pflichtleben des Mannes und der Frau, den Mann und das Weib nicht für das Pflichtleben des Greises und der Greisin, den Greis und die Greisin nicht für das Leben ihrer diesseitigen und jenseitigen Ewigkeit.

Das Entzücken eurer Braut- und Flitterwochen liegt nicht in dem kommenden Ernst der Ehe, die Begeisterung eurer Tempelweihen nicht in dem kommenden Ernst des Tempellebens, ihr versteht es nicht ‏,חנוך על פי ידרכו‎ Dinge und Menschen für ihre Zukunft zu rüsten und in dieser Zukunft zu begeistern und durch diese Zukunft zu weihen, eure Weihe ist stets ein Gipfelpunkt, von dem es nur ein Herabsteigen gibt, und sie soll doch ein Anfang sein, der zum hinanklimmenden Fortschritt führt. Eurer Begeisterung und Weihe fehlt der inhaltsvolle Kern, sie haben keinen Gegenstand als sich selbst, sie sind euch Selbstzweck und darum verpuffen sie und lassen euch in Nacht wie die Rakete, wenn ihr Brennstoff verzehrt. Die Liebe eurer Braut war Tändelei, die Liebe eurer Kinder Zärtlichkeit, das Interesse an eurem Tempelbau der Glanz und der Stolz der Einweihungsfeier; aber ihr herzet in der Braut nicht das einstige Weib, ihr liebet in dem Kinde nicht den einstigen Mann, ihr weihet eure Tempel nicht — um sie zu besuchen, ihr setzet die Wahrheit nirgends an den Anfang, darum habt ihr Täuschung und Lüge an allen Enden.

Wie anders die jüdische Begeisterung und Weihe, wie anders die jüdische Chanucka, wo und wann immer sie auftritt! ‏,חינון‎ die jüdische Menschen-Chanucka speist das Kind nicht mit Märchen, den Knaben nicht mit Fabeln, nicht mit Romantik den Jüngling, gängelt Kindheit und Jugend nicht mit Anschauungen einer Welt, die nicht ist, gewinnt nicht ihren Geist und ihr Herz für ein Leben, das die Wirklichkeit nie bietet. Sofort an das »Gesetz«, unmittelbar an denselben Ernst, zu derselben Wahrheit führt sie den Knaben, die sein Leben lang seine Führer und die Zielpunkte seines Lebens bleiben sollen, ”‏— על פי דוכו‎ ”גם כי יזקין לא יסור ממנו” — für »Gott und Pflicht« weckt sie seine Begeisterung und weiht sie ihn von dem ersten Dämmerstrahl seines Bewußtseins; und hat sie die Begeisterung getroffen, ist ihr die Weihe gelungen, so leuchten »Gott und Pflicht« ihm sein lebelang als die leuchtenden Sterne seines Weges. Immer mehr zu wachsen in Erkenntnis Gottes und seiner Pflicht, immer mehr zu wachsen im Dienste Gottes und Erfüllung seiner Pflicht, das heißt dem Kinde Knabe, dem Knaben Jüngling, dem Jünglinge Mann, dem Manne Greis werden, dem Greise Greis sein und indem er die Schätze der Erkenntnis und des Lebens, die ihm gereift, dem jungen Geschlechte hinieden geweiht, nimmt er das, wofür sein erstes kindliches Bewußtsein aufgedämmert und wofür er sein Leben lang mit immer wachsender Begeisterung gelebt, als den Garbenkranz hiniediger Vollendung mit hinüber in den neuen Anfang der jenseitigen Chanucka, zu welcher ihm der Tod an der Pforte der Ewigkeit leuchtet. Seht das jüdische Volk so lange es ein jüdisches ist. Die weite Erde bietet kein zweites. An derselben Quelle der Begeisterung und Weihe sehet ihr den Greis wie das Kind, den Jüngling wie den Mann. Dasselbe Buch, dieselben Bücher, dasselbe Gesetz, dieselben Wahrheiten, an welcher sich zuerst des Kindes Geist und Begeisterung, Lust und Lebensweihe entzündet, nähren das Feuer des Jünglings, fesseln den Ernst des Mannes, verklären den Blick des Greises, und der Siebzigjährige bückt sich noch emsig über denselben Folianten, trinkt noch Begeisterung aus denselben Worten, die der Fünf- und Zehnjährige zuerst mit leuchtendem Blicke stammeln gelernt. Seht die Ehe des Juden! Nicht Galanterie, Tändelei und täuschende Liebesvergötterung knüpft des jüdischen Mannes und des jüdischen Weibes Herz und Hand. In dem vollen Bewußtsein des ganzen kommenden Ernstes des Lebens und für diesen Lebensernst treten Mann und Weib zusammen, und ihre Liebe heißt Begeisterung für die gemeinsame Pflichterfüllung des Lebens und für die Beglückung des einen durch den andern und mit dem andern, und darum wächst ihre Liebe je länger die Ehe, wächst ihre Lebensweihe je ernster des Lebens Ernst. Ihre Hochzeit ist nicht ihre Höhezeit, ist der Lenz, ist der Keimtag ihrer Liebe. So wie der jüdische Mann sein jüdisches Weib, wie der jüdische Greis seine greise Gattin liebt, so hat der Jüngling nimmer die Jungfrau geliebt; denn jeder Tag, jedes Jahr — und die ernsten, rauhen Tage und Jahre wahrlich nicht am ärmsten, — haben immer Ring an Ring in die Kette gefügt, die ihre Geister und Herzen auf ewig verbindet. — Seht jüdische Tempel zur jüdischen Zeit. Vom großen Weihegepränge ihres ‏חינוך‎ wissen sie nicht viel zu erzählen. Orgelklang und Choralgesang, Kränze und Weihegedichte, selbst die Weihepredigt samt dem Weiheprediger fehlt zumeist. Die Rollen des Gesetzes hineingetragen, die kürzeste Dankberacha dem »Guten und Gutes gewährenden« gesprochen, der erste Minchagottesdienst gehalten — und die Synagogenweihe, die Chanucka war vollbracht. Dagegen ward aber nun fort und fort das Gotteshaus besucht, dagegen ward es nun aber auch der Zufluchtsort und das Rüsthaus des täglichen Lebens, ward die Sammelstätte des gemeinsamen Lebens vor Gott und die Lehrstätte zur Durchdringung des ganzen Lebens mit Gott. Es war das Bedürfnis und der Ernst, der die alten Synagogen baute; ihre Weihe endete nicht mit dem letzten Amen einer Weihepredigt oder mit dem letzten Halleluja eines Schlußchorals am Weihetage. Der ‏חינוך‎ war die Wiege, nicht das Testament der Synagogenweihe. Eine unjüdische Zeit weiß freilich schönere, prächtigere Weihefeier zu begehen. Allein die mit so vielem Gepränge geweihte Luxus-Synagoge sieht meist die begeisterten Leiter ihre Weihe höchstens einmal am Versöhnungstage — wo wir uns ja alle wieder zusammenfinden — wieder, sieht ihre Räume an den Wochentagen des täglichen Lebens geschlossen, oder — wie eine Sterbende, eine Kranke, erfreut sie sich eines Minjan-Vereins, oder eines besoldeten Minjan-Decemvirats, die die begeisterten Prunkworte der Weihechorale und Weihereden, von »Andachi« und »Tempelseligkeit« etc. in den neun Zehnteln des Jahres, in welchen die Prachtsynagoge der wirklichen Gemeinde Luxus ist, stellvertretend zu verwirklichen bestellt werden.

Seht die jüdische Geschichte! Von Anfang an ward diesem Volke die von ihm zu lösende weltgeschichtliche Aufgabe in ihrer ganzen Herrlichkeit, aber auch in ihrem ganzen Ernst, in ihrer ganzen, noch erst durch Jahrhunderte, Jahrtausende der Verirrungen und des Wehes zu erklimmenden Höhe gezeigt. Für keine Täuschung, für das jüdische Leben und das jüdische Geschick mit all seinem Schweren und Herben ward das begeisterte »Ja«! am Sinai gefordert, und es wußte es von vornherein, daß sein bevorstehender Lebensberuf durch Klippen und Talgründe sich aufwärts windender Felsengang sein, daß erst ‏,באחרית הימים‎ erst am fernen Ende der Tage es auf den vollen Höhen dieses gelösten »Ja«! sich befinden werde. Es ist das einzige Volk, das eine wahrhaftige Chanucka hat, und bei dem Chanucka in immer steigendem, hellerem, reinerem Lichte durch alle Phasen seiner Geschichte wiederkehrt, um es immer frischerer Weihe und immer steigendem Fortschritte zuzuführen Es sollte nicht wie die Hellenen als das Volk der Begeisterung für das »Schöne und Gute« beginnen, um als trauriges, nur von dem Schein einer untergegangenen Vergangenheit glorifiziertes Klephtenvolk zu enden. Es sollte nicht wie die Römer als das von Wolfsmilch genährte welterobernde Volk des Schwerts und der Politik die Schaubühne betreten, um als kläglicher von Pfaffen und Fremden unterjochter Völker-Jammer zu enden. Israels Schmach liegt in seinem Anfange und sein ewiger Ruhm winkt ihm von den Höhengipfeln seine Zukunft.

Als ‏,קשה ערף‎ in hartnäckigster Opposition stand es zuerst selbst der ihm gewordenen großen Aufgabe gegenüber, und dieses Gesetz, das einst die Welt überwinden wird, hatte seinen ersten Sieg in Eroberung des Volkes zu feiern, das das geistige Werkzeug seines Weltenkampfes werden sollte. Und Jahrhunderte waren ihm für diesen Sieg bestimmt. Wie sein Mos s vor der ersten Chanucka siebenmal die Stiftshütte seines Heiligtums aufrichten und abbrechen mußte, ehe am achten Tage die erste Chanucka durch Eintritt der Gottesherrlichkeit besiegelt wurde; wie bei dieser ersten Chanucka sofort die ersten Priestersöhne der Heiligung des Heiligtums zum Opfer fielen, weil sie die Aufgabe dieses Gesetzesheiligtums nicht in der Ferne vor sich, nicht in der Höhe über sich, sondern unter sich und in sich, somit jeden zu jeder Zeit aus der Höhe dieser Aufgabe vermeinten; so wird diesem Volke ja von vornherein gesagt und durch den Untergang des ganzen Zeitgeschlechtes, das die erste Chanucka erlebte, mit ernstestem Ernst zum Bewußtsein gebracht, daß es mit allem dem noch nicht ‏המנוחה ואל הנחלה‎ אל, noch nicht zur Ruhe, geschweige zum ewigen Ziele gekommen, daß es mit allem diesem erst an einen Anfang gestellt, der, mit wandelloser Begeisterung rasch zum Höhenziele führen könnte, mit unterbrochener und immer wieder unterbrochener, aber auch immer wieder gewonnener Begeisterung, wenngleich spät und scheinbar im Rückgange, doch unwiderruflich und in immer steigendem Fortschritt zum Ziele führen werde.

In der Wüste, in Schilo, in Nob, in Gibea, in Jerusalem durch Salomo, durch Esra, durch die Hasmonäer, bereits siebenmal ist das Gesetzesheiligtum neu errichtet und eingeweiht worden, und während das äußere politische Geschick des Volkes abwärts ging, war die Chanucka innerlich doch immer eine geistig höhere. Je mehr Israel seine politische Bedeutung verlor, um so mehr ward sein Gesetz von dem Bündnis mit einer Aristokratie befreit, die es meist nur zur Förderung ihrer Interessen mißbrauchte oder verriet, und um so mehr Boden gewann es im Volke, das bald nichts anderes als dies Gesetz, sein Studium und seine Erfüllung haben sollte, die sich ihm als die Adlerflügel seines Gottes erwiesen, es über eine in Nacht versinkende Welt von fast Jahrtausenden gegen alle dämonische Gewalt einer seine Vernichtung erstrebenden Völkerfeindseligkeit, hell und lebenskräftig siegreich emporzutragen.

Als die Hasmonäer die letzte Chanucka feierten, da gaben sie das Weihelicht jedem jüdischen Hausvater in die Hand, auf daß in jedem Hause sich erst recht die Tempelweihe vollziehe, auf daß diese Weihe sich von Jahr zu Jahr immer neu und jung wiederhole, jedes Geschlecht immer aufs neue und in immer höherem Fortschritt die Weihe des Heiligtums durch die Weihe des Hauses vollbringe, bis einst das Haus des Gottesheiligtums von allen Häusern Israels, von dem ganzen »Hause Jakobs« getragen werde und die letzte wirkliche und wahrhaftige Chanucka auf dem Gipfel des errungenen Ziels beginnen könne.

Und nun, nachdem alle Jahrtausende unserer geschichtlichen Vergangenheit den siegreichen Geist der Chanucka in Israel verbürgen, nachdem Israel allein nicht nur die Chanucka, sondern die Wieder-Chanucka, die Wieder-Weihe kennt, die ewig wiederkehrende und dann in gesteigerter Begeisterung wiederkehrende Weihe und fortschreitende Hingebung an das von Anfang an in siebenfacher Höhe hoch aufgesteckte Ziel: wollen wir gleichwohl — wer weiß wie nahe am Ziele — den Mut verlieren, wollen unsere Chanucka nur kalt als Erinnerung vergangener alter Tage, nicht aber als unser ‏,חינוך על פי דרכו‎ nicht als »Rüste und Weihe für unsere Zukunft« feiern, wollen das Licht der Chanucka in unseren Häusern nicht in der Zuversicht anzünden, es werde, wenn auch siebenmal die Weihe verloren, endlich dennoch in immer steigenderem Lichte das Ziel gewonnen, und während Israels Chanucka damit begann; das Licht des Hauses am Lichte des Tempels zu entzünden, die neue, endliche Chanucka damit gewonnen werden, an dem siegreich gepflegten Lichte des Hauses das Tempelllicht dann zum wahrhaftigen ewigen ‏נר תמיד‎ sich entzünden zu lassen?

Sagen uns denn nicht alle Zeichen der Zeit, daß uns eine neue wirkliche Chanucka von nöten? Und ist diese Chanucka je in Israel ausgeblieben, wenn sie von nöten gewesen? Hat nicht wieder antiochäische Gefahr Tempel und Häuser Israels ergriffen und schreit das Heiligtum nicht laut auf nach einem Hasmonäergeist, der es und seine Kinder vor dem Eindringen jüdische Wahrheit und jüdisches Leben tötenden hellenistischen Hauches rette? Hat hellenistischer Schwindel, der dem Menschen sich selbst zur Anbetung gibt, der das Menschenideal mit all seinen Schwächen und Gebrechen zum Gott und den Anstand und das menschliche Wohlgefallen zum Maßstab der Sitte und der Pflicht setzt, der, statt den Menschen zum Lichte des Göttlichen zu erheben, das Göttliche hinabzieht in die Dämmerung der schönen Sinnlichkeit des Menschen — hat dieser ganze, den Menschen um seine Würde und den Juden um seine Pflicht betrügende Schwindel nicht wieder gerade die Regionen ergriffen, die als die Leiter und Lehrer der Gemeinde die eherne Phalanx bilden sollten um das Gottesheiligtum, das Heiligtum in seiner Wahrheit und das Volk in seiner Treue vor jedem Andringen unjüdischen Wesens zu retten? Ist die jüdische Aristokratie und der jüdische Priesterkreis nicht fast bereits wieder vom jüdischen Gesetze abgefallen, hat sie nicht bereits, wie ‏,בימים ההם בזמן הזה‎ das ihren Händen anvertraute Heiligtum des Tempels und der Lehre, der Schule und der Gemeinde, nicht ihre bevorzugte Stellung in der Nähe der Macht habenden Gewalten bereits mißbraucht um ihren Geist des Abfalls dem Geiste der Gesetzestreue zu substituieren und durch Tempel und Schule das Haus und die Familie dem jüdischen Gesetzesheiligtum zu entfremden? Und ist ihr das Werk dieses Verrats nicht bereits fast gelungen, so gelungen, daß selbst die Treue der Treusten unter den Treuen erschüttert, das ganze Bewußtsein von der Bedeutung der jüdischen Pflicht so getrübt, daß kaum die Gesetzestreue es noch wagt, in der alten Treue für die Gottespflicht aufzutreten, und das jüdische Volk sich vergebens umsieht nach Lehrern seiner Pflicht, wie nach Vertretern seines Rechts — — und da sollte uns die neue Chanucka fehlen, da sollte die neue Chanucka noch fern sein, da sollte sich der jüdische Geist nicht wieder aufraffen und dem Volke sein Recht und dem Heiligtum seine Reinheit und Weihe wieder erstreiten, daß, wenn die Enkel ihr Chanucka-Licht in ihren Häusern anzünden werden, sie auf eine ganz nahe Vergangenheit hinschauen können, wo Gott wieder seine Wundernähe bewiesen und ihre Väter wieder als »seine Kinder in die Wortstätte seines Hauses gegangen, und haben seinen Tempel von allem Unjüdischen geräumt und sein Heiligtum von allem Ungöttlichen gereinigt und haben die Weihelichter in den Häusern wieder zur Geltung gebracht, die sich als die Um- und Vorhöfe um das Heiligtum Gottes reihen — — —«?