Abschnitt 9. Der Richter soll sich nicht bestechen lassen, doch kann er sich seine Zeitversäumnis bezahlen lassen

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§ 1. Der Richter muss sich gar sehr hüten, Bestechungen anzunehmen, selbst nicht von dem, der eine gerechte Forderung hat. Hat er es getan, so muss er das Geld demjenigen auf sein Verlangen wieder zurückgeben und die Sünder haftet ebenso gut auf dem Geber nach 3. B. M. 19, 14: Du sollst keinem Tauben fluchen und einem Blinden sollst du nichts in den Weg legen – du sollst niemandem Anlass zu sündigen geben – als auf dem Nehmer; selbst durch Worte darf sich der Richter nicht bestechen lassen. Kein Richter darf denjenigen richten, von welchem er Geld geliehen hat; ist aber der Richter selbst im Stande, jemandem Geld zu leihen (war er nur in diesem Augenblick nicht bei Gelde), so kann er ihn wohl richten, denn der Beteiligte kann ja wieder von dem Richter Geld leihen.

§ 2. Wenn der Kläger zuvorgekommen ist und dem Richter ein Geschenk zugeschickt hat, bevor er den Beklagten zitieren ließ, so kann dieser den Richter nicht verwerfen, der Richter müsste sich denn (aus Frömmigkeit) selbst in dieser Sache zu richten weigern, weil er merkt, dass er für den Schenker etwas mehr eingenommen ist.

§ 3. Es ist der Gebraucht, dass man zum Unerhalt der Richter eine allgemeine Sammlung hält, worin jeder nach Vermögen beitragen muss. Diese Beiträge werden entweder im Anfange oder am Ende des Jahres gesammelt; dies kann nicht als Bestechung oder Lohn betrachtet werden; denn es ist Pflicht für Israel, seine Richter und Weisen zu ernähren; ebenso kann man zur Unterhaltung des Gerichtes von den Geldgelübden und Vermächtnissen an das Heiligtum nehmen; noch besser ist es, wenn man die Beiträge am Anfange des Jahres einsammelt, damit die Richter auf da ganze Jahr u leben und nicht nötig haben, irgend jemanden zu schmeicheln und ihn zu bevorzugen.

§ 4. Jeder Richter, der viele Schreiber und Diener hält und dadurch der Gemeinde viele Kosten verursacht, ist unter diejenigen zu rechnen, die dem Raube nachjagen.

§ 5. Wenn ein Richter Lohn für das Richten nimmt, so sind alle seine Urteile ungültig, aber für seine Versäumnis kann er sich bezahlen lassen, wenn er nämlich ein bestimmtes Handwerk treibt; er darf jedoch von einem nicht mehr als vom anderen nehmen; treibt er aber sein gewisses Handwerk, so kann er nicht sagen, ich hätte vielleicht in dieser Zeit durch Handel oder Makelei etwas verdienen können (siehe Abschnitt 34, § 18).

§ 6. Kein Richter darf einen unwissenden Schüler vor sich sitzen lassen, wenn er zu Gericht sitzt; denn er könnte eine Sache mit ihm verhandeln und dadurch von der Wahrheit abgebracht werden.

§ 7. Wenn ein Schüler vor seinem Lehrer sitzt und merkt, dass derselbe einen Armen, auf dessen Seite das Recht ist, verurteilen will, und er schweigt dazu, selbst wenn der Schüler weiß, dass sein Lehrer nur nicht den Reichen verletzen will, muss er nach Beendigung des Gerichtes dem Richter sagen, er habe Unrecht und sollte den Armen bezahlen; der Schüler soll nicht schweigen, denn sonst begeht er eine Sünde, nach 2. B. M. 23, 7: Sei ferne von falschen Sachen.

§ 8. Wen ein Schüler sieht, dass sein Lehrer sich im Richten irrt, so soll er nicht warten, bis das Urteil völlig gefällt ist und dann erst solches mit Gründen umstoßen und seinen Lehrer anders zu urteilen bewegen, damit davon ihm die Ehre werde, sondern er soll seinem Lehrer gleich auf ehrerbietige Weise sagen: Mein Lehrer, so und so hast du mir einst gelehrt.

Abschnitt 8. Dass man keinen unrechtlichen Mann zum Richter einsetzen soll, und dass der Sohn eines guten, so wie die Strafe eines bösen Richters sehr groß ist

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§ 1. Wer einen unrechtlichen Mann zum Richter einsetzt, hat große Strafe zu erwarten; man darf keinen Unwissenden zum Richter einsetzen, der sich jedes Mal erst bei einem Gelehrten Rat holen muss. In Städten aber, wo keine Gelehrten sind, muss man die besten und klügsten auswählen, wenn sie auch nicht des Richteramtes würdig sind, damit sie nicht gezwungen werden, bei nichtjüdischen Gerichtshöfen zu erscheinen. Sind die Richter aber einmal von der Gemeinde ernannt und angenommen, so können sie nicht mehr verworfen werden. Vor einem Richter zu erscheinen, der des Geldes wegen eingesetzt ist, ist ein Sünder, noch mehr, es ist sogar recht, wenn man einen solchen Richter verachtet und verspottet.

§ 2. Die Richter müssen mit Angst, Gottesfurcht mit umgehängtem Talith, mit gebeugtem Haupte und nicht mit Leichtfertigkeit vor Gericht sitzen, es ist verboten, unnütze Reden im Gerichte zu führen, der Richter soll sich betrachten, als ob ein Schwert an seinem Halse läge und die Hölle unter ihm offen wäre, er soll wissen, wen (seinen Nächsten, einen Israeliten) er richtet, und vor wem (vor Gott) er richtet und wer ihn einst bestrafen wird, wenn er vom Rechte abgewichen ist; jeder Richter, der nicht der Wahrheit gemäß richtet, ist Ursache, dass die Schechina (Gottes Herrlichkeit) sich von Israel abwendet und jeder Richter, der ungerechterweise von einem Geld nimmt und es dem anderen zuwendet, handelt so, als wenn er ihm das Leben genommen hätte. Jeder Richter aber, der recht richtet, handelt so gut, als ob er die ganze Welt in Ordnung gebracht hätte und verursacht, dass die Schechina bei Israel bleibt.

§ 3. Die ersten Weisen haben sich auf alle mögliche Art zurückgezogen, um nicht zu Richtern eingesetzt zu werden, bis sie überzeugt wurden, dass kein anderer diese Stelle bekleiden, und dass durch ihre fernere Weigerung das Recht nicht gehandhabt werden konnte und auch dann haben sie das Richteramt nur nach vielen Bitten des Volkes und seiner Vorsteher angenommen.

§ 4. Der Richter darf sich nicht herrschsüchtig und hochmütig gegen die Gemeinde benehmen, sondern in Demut und Gottesfurcht; ein Vorsteher, der durch sein Benehmen verursacht, dass die Gemeinde übertriebene Furcht vor ihm hat, wird nie das Glück genießen, einen Sohn zu haben, der Gelehrter ist – hingegen aber darf auch die Gemeinde ihre Vorsteher nicht mit Geringschätzung betrachten, selbst wenn sie keine Gelehrte sind – und man soll nicht über die Köpfe der Häupter des heiligen Volkes einherschreiten. 7 Der Vorsteher muss die Last und Beschwerde seines Amtes mit Geduld ertragen; die Gemeinde muss ihm aber auch mit Ehrerbietung begegnen und Ehrfurcht vor ihm haben; der Vorsteher soll sich nicht verächtlich und leichtfertig vor der Gemeinde betragen, denn sobald jemand als Vorsteher eingesetzt ist, darf er nicht in Gegenwart von drei Personen sein Handwerk betreiben (die früheren Talmudisten, Gelehrten, Rabbiner, Vorsteher, haben alle ein Handwerk betrieben), geschweige, dass er in Gegenwart von Vielen essen und trinken (und sich betrinken) darf. Jeder Richter muss jemanden haben, der ihn berdient, sonst darf er kein Richter sein.

§ 5. Auch den Gerichtsboten darf man nicht geringschätzig behandeln; das Gericht ist befugt, die Verächter desselben mit einer Züchtigung (Schläge) zu bestrafen; der Bote ist beglaubt, wenn er sagt, dass ihn jemand verächtlich behandelt hat und derjenige wird mit Bann bestraft. Der Bote wird in diesem Falle nicht als Verläumder betrachtet, auch kann er sich selbst Recht verschaffen durch Schläge.

Abschnitt 7. Wer richten kann, und wenn die Richter in Feindschaft oder Verwandtschaft miteinander sind

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§ 1. Ein Gericht von drei Personen, von welchen einer ein Proselyte ist, darf einen geborenen Juden nicht richten, sein Vater oder seine Mutter müsste denn von jüdischer Herkunft sein; aber ein Proselyte kann einen Proselyten richten.

§ 2. Ein Mamser (Bastard) von jüdischen Eltern aber im verbotenen Grad erzeugt, und wenn auch alle drei Richter Mamserim wären, können doch unbedingt in allen Sachen richten. Ein auf einem Auge Blinder kann auch richten, aber nicht einer, der auf beiden Augen blind ist.

§ 3. Einige wollen, dass der Richter 18 Jahre alt sein und die beiden Haare am männlichen Glied haben müsse; andere aber behaupten, wenn er nur über 13 Jahre alt ist, ohne die beiden Haare zu haben, sei er schon zum Richterstand tauglich.

§ 4. Eine Frau kann nicht richten.

§ 5. Von Wein Betrunkene können, nach einigen Rabbinern, was Geldsachen betrifft, richten. Wenn jemand bei einer Sache Zeuge gewesen, so kann er über dieselbe nicht Richter sein; wenn aber drei Richter z. B. etwas bei Tage gesehen haben und ihre Absicht war wirklich die Sache zu bezeugen, so können sie auch Richter in dieser Sache sein; haben sie die Handlung aber bei Nacht gesehen, so können sie über dieselbe nicht richten, wenn nicht besondere Zeugen da sind. Sind die Richter zitiert, um Zeugen zu sein, so können sie nicht richten, wenn auch noch andere Zeugen da sind. Einige Rabbiner wollen, dass wenn noch andere Zeugen da sind, sie doch richten können. Bei Sachen aber, die nur von den Talmudisten verordnet sind, kann auch ein Zeuge Richter sein.

§ 6. Wenn jemand zitiert wird, vor einem Richter zu erscheinen, der weniger gelehrt ist, als er selbst, so kann er nicht gezwungen werden zu erscheinen, sondern man sieht unter den dortigen Gelehrten nach und macht die Sache zwischen beiden schriftlich ab.

§ 7. Niemand darf seinen Freund richten, selbst wenn es sein intimer Freund ist, auch nicht seinen Feind, und wenn es auch nicht sein außerordentlicher Feind ist, sondern die beiden Parteien müssen den Richtern ganz gleichgültig sein; wenn sie den Richtern gänzlich unbekannt sind, ist es am Besten (in allen diesen Fällen, wenn die Richter einmal geurteilt haben, bleibt ihr Urteil, auch sind darin verschiedene Meinungen, was ein Freund und ein Feind in dieser Hinsicht heißt; wenn z. B. ein Richter jemanden mit Bann belegt hat, weil er seine Ehre als Gelehrter verletzt hat, so kann er in der Folge doch sein Richter sein, denn er wird nicht als sein Feind betrachtet).

§ 8. Zwei Gelehrte, die miteinander befeindet sind, dürfen nicht zusammen im Gerichte sitzen.

§ 9. Die Richter dürfen nicht miteinander verwandt sein, auch nicht mit den Zeugen und dürfen auch keine Sünde auf sich haben.

§ 10. Wenn ein Richter weiß, dass sein Mitrichter ein Räuber oder Bösewicht ist, so darf er sich nicht mit ihm zu Gericht setzen.

§ 11. Jeder der drei Richter soll folgende sieben Eigenschaften besitzen: 1. Weisheit, 2. Demut, 3. Gottesfurcht, 4. er muss ein Feind Des Geldes sein, 5. muss Menschliebe besitzen, 6. muss Liebe und Wahrheit und 7. einen guten Namen haben.

§ 12. In einer Sache, von welcher der Richter nur irgendeinen entfernten Vorteil hat, darf er nicht Richter sein.



Abschnitt 6. Wie groß die Summe sein muss, um darüber zu Gericht zu sitzen

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§ 1. Über weniger als eine Prutah (Wert 1 ½ Pfennige) findet keine Sitzung statt; hat man aber damit angefangen, so kann man auch über weniger zu richten fortfahren.



Abschnitt 5. An welchen Tagen und zu welcher Tageszeit man richten kann

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§ 1. An Sonnabenden und Feiertagen darf man nicht richten und an diesen Tagen gefällte Urteile haben keine Gültigkeit.

§ 2. Auch an den Vorabenden der Sonnabende und Feiertage darf man nicht zu Gericht sitzen, und wenn jemand auf diesen Tag zitiert ist, braucht er nicht erscheinen. Zitationen darf man an diesen Tagen nicht ausstellen, wenn auch der Zitierte erst nach dem Sonnabend oder Feiertage kommen soll. In den Monaten Nisan und Tischri (gewöhnlich März und September), die Zeit der jüdischen Feiertage, Pessach und Neujahr, Versöhnungstag, Laubhüttenfest, darf niemand, der nicht in der Stadt ist, zitiert werden, jedoch kann die Zitation in diesen Monaten ausgestellt werden, damit man nachher erscheine und bei Nichterscheinung folgt Strafe. Bei Nacht darf man nicht anfangen zu richten, hat man aber bei Tage angefangen, so kann man bis in die Nacht fortfahren.

§ 3. Die ordentliche Zeit der Gerichtssitzung ist vom Morgen bis zu Ende der fünften Stunde; länger haben die Richter nicht nötig zu sitzen. 6

§ 4. Mit dem Anfang der siebenten Stunde darf man sich nicht zu Gericht setzen, selbst nicht, um das Urteil zu fällen, bis man das Mincha (Abend=)gebet verrichtet hat; hat man aber schon angefangen zu richten, so kann man fortfahren, es muss aber noch Zeit zum Beten übrig bleiben, wenn das Urteil gesprochen ist.

§ 5. Sobald die Beteiligten angefangen haben zu sprechen oder die Richter sich mit dem Talith behängt haben, so ist dies als Anfang der Gerichtssitzung zu betrachten.

Abschnitt 4. Aus welcher Art jemand sich selbst Recht verschaffen kann

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Wenn einer seine (geraubten) Sachen in der Hand eines anderen sieht, so kann er solche mit Gewalt wegnehmen, wenn er auch den Nächsten prügeln müsste, selbst wenn er seinen Nachteil davon hätte, falls er wartete, um den Räuber erst zu Gericht zu fordern; er muss jedoch in der Folge beweisen können, dass die Sache ihm wirklich gehöre. Wegen einer Schuld darf er aber den Nächsten nicht pfänden. (Siehe Abschnitt 97, § 6.) Auch durch die Vermittlung eines Nichtjuden darf sich niemand selbst Recht verschaffen. Wenn einer gegen viele ist und diese sind überzeugt, dass das Recht bei ihnen ist, so können sie sich selbst Recht verschaffen und wenn der eine prozessieren will, so muss er erst Bürgschaft stellen, weil viele gegen einen, als im Besitze der Sache zu betrachten sind; besonders wenn es sich darum handelt, dass der eine Zins (Abgaben) bezahlen soll. Ist der eine aber ein Gelehrter, so braucht er keine Bürgschaft zu stellen. Bei Zahlung von Abgaben kann man sich auch der Vermittlung eines Nichtjuden bedienen, wenn man den Gegner nicht auf eine andere Weise dazu zwingen kann.

Abschnitt 3. Aus wie vielen Personen ein Gericht bestehen muss

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§ 1. Ein Gericht muss aus drei Personen bestehen, nicht aus weniger; diese Drei können auch Ungelehrte sein. (Aber Einer von ihnen muss wenigstens die verschiedenen Meinungen der Gesetzgeber kennen, sonst können sie nicht richten; jedenfalls können sie die Klagen anhören und dieselben einem gelehrten Richter zuschicken; dann muss ihr Urteil angenommen werden. Wenn aber der Beklagte gleich von vornherein mit den drei Personen, die der Kläger gewählt hat, nicht zufrieden ist, so wählt jede der Parteien einen Richter und diese beiden Richter wählen den dritten (siehe weiter unter Abschn. 13) und mir deucht, wenn fest angestellte Richter sich in der Stadt befinden, müssen diese durchaus von beiden Parteien angenommen werden.)

§ 2. Das Urteil von weniger als drei Richtern gilt nicht, selbst wenn es richtig wäre, es müssten denn beide Parteien die Richter einstimmig angenommen haben oder einer von den Richtern als probat bekannt sein; aber selbst in diesem Falle müssen die Parteien mit dem Urteile zufrieden sein, sonst gilt, wenn auch diese zwei Richter von den Richtern im gelobten Lande autorisiert sind, selbst die Aussage vor ihnen, weil ihrer nur zwei sind, nur als eine Aussage außer dem Gerichte; die Parteien können ihre Aussage wieder zurücknehmen oder verändern; wenn jemand von ihnen eine Sache leugnet und es kommen Zeugen gegen ihn, so wird er deshalb doch nicht als Lügner betrachtet. Das findet aber nicht statt, wenn das Gericht aus drei Personen besteht.

§ 3. Obschon es erlaubt ist, dass auch ein als allgemein bekannt erprobter Richter, der die Erlaubnis zu richten hat, allein richten kann, so ist doch der Befehl der Weisen da, dass noch andere Richter bei ihm sein sollen.

§ 4. Obgleich ein Gericht aus drei Personen ein vollständiges ist, so ist es noch gut und lobenswert, wenn es aus recht vielen Personen besteht und sie alle gelehrt sind. Kein Gelehrter darf zu Gericht sitzen, wenn er sich nicht zuvor erkundigt hat, wer seine Beisitzer und ob sie rechtliche Männer sind. Wer nicht probat ist oder wen die Beteiligten nicht gutwillig angenommen haben, selbst wenn er vom Oberrabbiner der Provinz Erlaubnis zu richten erhalten hätte, dessen Ausspruch ist nicht gültig, auch wenn er recht gerichtet hat. Jede Partei kann sich, wenn sie will, an andere Gerichtshöfe wenden. Die Erlaubnis, die der König in jetzigen Zeiten einem Rabbiner zum Richten gibt, gilt nicht, die Gemeinde müsste denn diesen gutwillig angenommen haben. Einige wollen, dass, wenn der Rabbiner gelehrt ist, die Erlaubnis des Königs oder auch seines Stadthalters für ihn genüge. Jedenfalls muss derjenige, der ohne Erlaubnis der Gemeinde richtet, einst in jenem Leben Rechenschaft geben.

Abschnitt 2. Das Gericht kann geißeln und strafen lassen, wenn Zeit und Umstände es erfordern

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§ 1 Wenn ein Gericht einsieht, dass das Volk frech und in Sünde versunken ist, so kann es bestrafen (wenn die Notwendigkeit es erfordert) mit dem Tode, mit Geld und mit jeder anderen Art Von Strafe, wenn auch keine förmlichen Zeugen über das Verbrechen vorhanden sind. Ist der Verbrecher ein Gewaltiger (***, Ulm) 4, so lässt man ihn durch einen Nichtjuden züchtigen. Das Gericht hat die Macht, des Verbrechers 5 Vermögen preiszugeben und ihn zu vernichten, um dadurch einen Zaun gegen die Frechheit des Volkes zu machen. Alle Handlungen des Gerichtes müssen aber in der Absicht geschehen, den Schöpfer zu verherrlichen, das Gesetz zu erhalten und solche Handlungen müssen durch einen berühmten Gelehrten oder durch die Vornehmen der Stadt, welche von der Gemeinde als Gericht angenommen worden sind, geschehen. Man richtet sich hierin in Allem nach den Gebräuchen der Stadt. Wenn jemand einer Strafe von 39 Schlägen schuldig geworden ist, so steht es dem Gerichte frei, ob es ihm die Strafe gegen Erlegung von 40 Gulden erlassen will.

Abschnitt 1. Über die Einsetzung der Richter in- und außerhalb des gelobten Landes (Palästina)

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§1. Zu dieser Zeit (nach der Zerstörung Jerusalems)1 können alle Richter, wenn sie auch nicht vom gelobten Lande her autorisiert sind, über Bekenntnisse, ² d.h. sie können Recht sprechen, wenn Zeugen Aussagen, dass jemand gestanden hätte, er wäre dem N. Geld schuldig oder sie seien beim Leihen des Geldes gegenwärtig gewesen; ferner können sie Recht sprechen über die Morgengabe der Frau, über Erbschaften, Schenkungen und über Geldschaden, denn viele Sachen kommen gewöhnlich vor und es ist auch Geldverlust dabei; aber in Sachen, welche nicht gewöhnlich sind, wenn auch Geldverlust dabei ist, z. B. wenn jemand zur Strafe etwas doppelt bezahlen muss, der Dieb, 2. B. M. 21, 37, 40, ebenso alle Strafen, die Weisen verordnet haben, z. B. wenn jemand seinem Nächsten ins Ohr bläst und er wird dadurch erschreckt, oder er ohrfeigt ihn, oder in Fällen, wo jemand zur Strafe mehr zahlen muss, als der angerichtete Schaden beträgt oder auch nur die Hälfte desselben mehr, z. B. bei einem Ochsen, der zum ersten Mal Schaden angerichtet hat, 2. B. M. 21, 35, in solchen Sachen können nur probate (im gelobten Lande ordinierte) Richter Recht sprechen, ausgenommen, wenn ein Ochse oder sonst ein Tier auf öffentlichen Plätzen durch das Ausschlagen mit dem Fuße eine Erdscholle oder einen Stein zurückgeworfen und dadurch irgend ein Gefäß zerbrochen hat, wo nur die Hälfte des Schadens zu entrichten ist, denn dies ist Geldsache und keine Strafe.

§ 2. Wenn jemand seinen Nächsten verwundet hat, können Richter, die nicht im gelobten Lande ordiniert sind, darüber nicht richten, was nämlich den Ersatz für den Schaden, falls er ein Glied seines Körpers verloren hat, und für den Schmerz betrifft, wohl aber können sie über die Zeitversäumnis und Heilungskosten richten. Einige Rabbiner wollen, dass auch diese nicht von Richtern, die nicht im gelobten Lande ordiniert sind, abgeurteilt werden dürfen, auch nicht über Fehler, Schande, die durch Verwunderungen entstanden sind, z. B. bei Überredung oder Notzüchtigung einer Jungfrau, auch nicht über die Auslösung, die jemand geben muss, wenn sein stößiger Ochse einen Menschen getötet hat und der Eigentümer des Ochsen gewarnt wurde, diesen zu hüten, 2. B. M. 29, 30; aber der Gebrauch ist Nicht so, sondern auch nicht im gelobten Lande ordinierte Richter können den Verwunder zwingen, den Verwundeten zu besänftigen oder, wenn er an der Wunde gestorben ist, dessen Verwandte, und sie können den Verwunder nach Gutachten strafen.

§ 3. Wenn ein Mensch von einem Tier beschädigt wird, so können über die Strafe, die der Eigentümer erleiden muss, nur erprobte Richter urteilen, weil das etwas Ungewöhnliches ist. Der Mensch hütet sich gewöhnlich vor Tieren. Wenn aber jemand das Tier seines Nächsten beschädigt oder wenn ein Tier mit dem Zahne oder Fuße Schaden angerichtet hat und der Eigentümer desselben ist gewarnt worden, dass er es hüte; ebenso wenn jemand gestohlen oder geraubt hat, kann jeder Richter darüber urteilen. Beim Stehlen und Rauben können sie nur über die Zurückgabe des Bestohlenen oder Geraubten richten, aber nicht über Strafen usw.

§ 4. Alle Schäden, welche mittelbar verursacht worden, auch einen Verräter³ kann jedes Gericht aburteilen. Wenn Zeugen absichtlich falsch gezeugt haben und das Gericht hat auf ihre Aussage Geld verabfolgen lassen, man kann aber dieses vom Empfänger nicht wieder zurückerhalten, so kann jedes Gericht die Zeugen zum Ersatz des Geldes zwingen.

§ 5. Jedes Gericht kann Denjenigen, welcher irgendeine Geldstrafe zu zahlen schuldig ist, so lang mit Bann belegen, bis der Kläger befriedigt oder der Beklagte ihm so viel gibt als Recht ist. Hat der Beteiligte den Schuldner gepfändet und sich selbst Recht verschafft, so lässt man es ihm (das Gepfändete); sagt dieser aber, das Gericht möge bestimmen, wie viel er pfänden soll, so hört man ihn nicht an, sondern, wenn er schon gepfändet hat, man sagt ihm, wie viel er davon behalten kann. Das ist jedoch nur der Fall bei festgesetzten Strafen; aber solche die jedes Gericht zu diktieren im Stande ist, kann es auch vollziehen lassen.

§ 6. Wenn Einer jemanden durch Worte beschämt, den kann jedes Gericht mit Bann belegen, bis er den Beschämten standesgemäß befriedigt hat (nach dem jerusalemischen Talmud ist die Strafe ein Pfund Gold); besonders, wenn jemand einen Alten (Gelehrten) beschimpft hat. Ob jemand, der die Strafe von 39 Schlägen haben soll, diese mit Geld abbüßen kann, wird im folgenden Abschnitte vorkommen.

Adar

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Sachor. Purim. regenjacken test 2017 Keinem Menschenstamme ward also wie dem jüdischen das Loos, mit offenem, vorwärts schauendem Blicke durch die Geschicke der Zeiten zu wandern. Gleich beim Beginn seines völkergeschichtlichen Daseins führte Gott ihm Ereignisse zu, auf die, wie auf einen prophetischen Spiegel, immer wieder sein Blick sich wenden sollte, darin sich zu erkennen, sein Verhalten zu seiner Aufgabe, seine Stellung zu den Brüdervölkern, sein jederzeit von ihm selbst zu säendes, züchtigendes, erziehendes, prüfendes, lohnendes Geschick. Der seine Aufgabe und seine Geschichte kennende Jude wird von keinem Ereignis überrascht, von keinem bestürzt, von keinem geblendet. Ein Rückblick in den ihm von Gott immer neu vorgeführten Spiegel seiner Vergangenheit - und er findet sich überall und in Allem zurecht, weiß jedes Ereignis seiner Zeit zu würdigen und steuert mit ruhigem Auge auf glatter See wie durch Sturm und Brandung, dem einen Ziele zu, zu welchem Gott ihn leitet. Vorbereitet ist er auf alles. Er traut keinem Augenblicke und fürchtet keinen. Nicht in den politischen Gestaltungen der Verhältnisse, in der eigenen Brust sucht er den Grund zur Hoffnung oder Furcht. Ein unverdientes Glück kann ihn nicht beruhigen, ein unverdientes Leid nicht beugen. Nur das Zeugnis, das ihm die eigene Brust ausstellt, kann ihn heben oder niederschlagen. Er kennt nur einen Feind: die Sünde; er kennt nur einen Panzer: die Unschuld. Der Sabbat vor dem Purimfeste ist der zweite, für den großen Frühlingsmonat vorbereitende Sabbat. Sabbat Schekalim rief in uns das jüdische Gesamtbewusstsein wach, das Bewusstsein, dass wir alle einer großen Gesamtaufgabe angehören, und wie zerstreut, wie verschieden nach Kraft, Vermögen, Stand, Beruf auch immer, doch alle gleich berufen sind an einem heiligen Gotteswerk zu arbeiten. Was wird unser Geschick sein mit solchem Beruf? was haben wir mit solch´ eigentümlicher Sendung im Kreise unserer Menschenbrüder zu erwarten? „Sachor!“ spricht dieser Sabbat, „schau zurück, gedenke was dir Amalek getan, auf dem Wege, als ihr aus Mizrajim zogt!“ Was dich in aller Zukunft treffen wird? Was dir bei deinem ersten Schritt, auf deiner geschichtlichen Wanderung begegnet! Durch den geschichtlichen Zusammenhang des Ereignisses im 2ten Buche der Thora und die Zusammenstellung des Gedächtnisgebotes mit den anderen Gesetzen im 5ten Buche, hebt dieses „Sachor“, dieser Aufruf zum Rückblick auf den ersten Zusammenstoß Israels mit dem Brudervolke, warnend und ermutigend den Finger auf und spricht: Nicht die Treue, nicht das entschiedene Ausharren im jüdischen Berufe, nicht die unerschütterte Anhänglichkeit an das gottgebotene eigentümliche jüdische Leben zieht euch die Feindseligkeit der nichtjüdischen Brüder herbei; seiet Juden, volle, ganze Juden, erfüllet eure jüdischen Pflichten in der ganzen herrlichen Fülle des von Gott gezeichneten Lebens! So sehen es alle Völker der Erde, dass der Name Gottes über euch walte und wagen achtungsvoll es nicht euch anzutasten! Menschentäuschender Vorwand war es und ist es, wenn ein Haman seinen Judenhass durch die jüdische Absonderlichkeit beschönigt, die dieses so zerstreute Volk trotz seiner Zerstreuung doch so „gesondert“ unter den Völkern und so anhänglich an ihre von allen anderen Völkern abweichenden Gesetze und Sitten sein lässt, und nichtige Täuschung wäre es, wenn wir durch Abstreifen dieser jüdischen Eigentümlichkeit uns die Völkerfreundschaft zu erkaufen und für immer zusichern vermeinten. Hamans Ahn, Amalek, fiel über Israel her, als es noch nicht diese absondernden Gesetze am Sinai erhalten hatte, und wenn wir auch die ganze sinaitische Gesetzgebung wiederum preisgeben und das Positive unseres Judentums auf das Minimum unserer vorsinaitischen jüdischen Eigentümlichkeit reduzieren möchten, die letzte Faser in welche du dein „Jude sein“ im Gegensatze zum Nichtjuden flüchtest – und wäre es auch zuletzt nur noch der bloße Name „Jude“ – wird jederzeit einem Haman und Amalek genügen, um ihre Feindschaft und ihren Hass zu beschönigen. Ja, mit deinem entgegenkommenden Abfall gibst du diesem Vorwande des Judenhasses erst den rechten Schein einer Begründung. Durftest du so vieles, so das meiste vom Judentum preisgeben, warum denn so eigensinnig an das letzte Wenige halten! Durftest du so fast den ganzen Juden ausziehen, warum denn nicht wirklich den ganzen Juden fahren, und über das Grab des Judentums Jakob und Esau sich die Bruderhand zur ewigen Verbrüderung reichen lassen?! Nicht das ist das Ziel, das der Herr der Zeiten als Lösung diese Gegensatzes bestimmt. So lange es Nacht auf Erden ist, wird der Ringkampf dieser Gegensätze dauern, Jakob den Esau nicht und Esau nicht den Jakob überwinden, wohl aber Esau Jakob nicht den festen, selbstständigen Fuß zu Boden setzen lassen. Wenn aber der Morgen anbricht und der Kampf sein Ziel finden soll, dann wird dieses Ziel nicht in Aufgeben und Aufgehen des Jakobsberufes gefunden werden, dann wird nicht Jakob der Überwundene sein, dann wird Esau zum Jakob sprechen, lass mich frei, denn der Morgen ist angebrochen, die Zeit des Kampfes ist aus. Jakob aber spricht, wohl lasse ich dich, aber nicht eher lasse ich dich, bis du mich gesegnet, bis du mir die Anerkennung gezollt, dass ich nicht den Fluch und den Hass und die verfolgende Feindschaft verdient, bis du es voll anerkannt, welchen Segen ich verdiene – und du mich segnest. Bis zu diesem Morgenrot der Zeiten aber sollte Jakob vorbereitet und gerüstet sein für Gegensatz und Kampf; diese Mahnung sandte ihm Gott bei jedem Eintritt einer neuen Phase seiner geschichtlichen Wanderung in der Mitte der Völker. Edoms Genius trat entgegen als die erste Jakobsfamilie ein selbstständiges Plätzchen auf Erden suchte, Amalek hob das Schwert auf, als das befreite Israel seiner Nationalexistenz entgegen ging, und Haman grüßte Juda, als seine Söhne ihre weltgeschichtliche Zerstreuung in der Mitte der Nationen antraten. Nicht aber in der Erschlaffung, nicht in der laxeren Erfüllung jüdischer Pflichten liegt Juda´s Wehr und Panzer in diesem Kampfe; sondern in standhafter, treuer, voller Lösung der ihm von Gott gegebenen Aufgabe, liegt seine Stärke und sein Sieg. „So lange Moscheh´s Hand zu Gott gehoben bleibt, - wie es der Väter Weisheit erläutert, - so lange Israel nach oben blickt und sein Herz dem Dienste seines Vaters im Himmel weiht, so lange steht es gepanzert in eigener Macht. Erst wenn diese Hand und diese Kraft und dieser Sinn erschlafft, wird ihnen Amaleks Stärke fühlbar. Ja, jede unsanfte Berührung von Amaleks Finger, soll Juda die Mahnung sein, im eigenen Kreise sich umzuschauen, wo der jüdische Sinn erschlafft. Denn irgendwo muss Israel seine Pflichten verabsäumt haben, lehrt der Väter Weisheit, wenn Amalek kommen soll. In ,ydypr überkommt Israel Amaleks Kampf! Nur wenn Israel an der Göttlichkeit der eigenen Sendung zweifelt, zweifelt ob Gott unter uns waltet oder nicht, und in diesem Zweifel schlaff und nachlässig wird in Handhabung des göttlichen Wortes, - nur wenn Israels Söhne, nur wenn sie aus der Höhe der göttlichen Wege und darum aus dem Schutze der göttlichen Fittiche sinken, - oder, - wie die Zusammenstellung im 5ten B. M. lehrt, und die Weisheit der Väter sinnig hervor hebt, - wenn Israels Söhne im sozialen Menschenverkehr nicht die Redlichkeit und Rechtlichkeit bewahren, die den Grundcharakter Jeschuruns bilden soll, die zu ihnen spricht: „nicht zweierlei Gewicht sollst du haben in der Tasche und nicht zweierlei Maß sollst du haben im Hause!“ und deren ungetrübte Bewahrung Grundbedingung der göttlichen, schützenden Bundesnähe bildet, nur dann hat Israel Amalek zu fürchten! Wenn aber Israel seine Pflichten voll begreift und voll erfüllt, wenn es als „Priesterreich“ dasteht seinem Gotte und als „heilig Volk“ im Verkehr der Menschen, dann mag es immerhin, so lange es noch Nacht auf Erden, „zerstreut“ sein und auch „geschieden“ erscheinen in der Mitte der Nationen, dann mag auch immerhin dieser priesterliche heilige Wandel es noch „sondern“ von Sitten und Wegen der Völker, und – so lange es noch Nacht ist auf Erden – diese Absonderung einer selbstsüchtigen Hamansfeindschaft als willkommener Vorwand zur Verfolgung dienen – über Völkerwahn und Ministerränke und Fürstenschwäche steht Gott, der nicht nur den Wogen des Weltmeeres, der auch dem Wallen des Fürstenherzens zur Rettung seiner Treuen gebietet, der nur einen Schlummer von dem müden Lide eines Königsauges scheucht um noch nach Jahrtausenden zu zeigen, dass die wahre Macht doch auf Gottes Throne ruhet, der zu jeder Zeit für die schwache, preisgegebenen Unschuld gegen gottvergessene Amaleksgewalt streitet, dem daher auch noch das späteste Geschlecht seinen Altar bauen und in heiterer Zuversicht sprechen darf: ! “Gott ist mein Panier!“ 1. Paraschath Parah. „Dem Feste soll mit dem Bewusstsein der Reinheit des eigenen Menschenwesens von Jedem entgegengegangen, und deshalb mussten die inhaltsschweren Reinigungsgesetze von jedem beachtet werden!“ Dies das Motiv, welches für den dritten Vorbereitungssabbat die Paraschah der hmvda hrp, die große, die ewige Lebenswahrheit der hrhu, der „Reinheit“ lehrende Institution der „roten Kuh“, zum Vortrage bestimmte. Hier ist die Bedingung, die Basis, der Boden der ganzen Thora, welche Gott geboten! Hier ist die Voraussetzung, auf welcher das ganze göttliche Gesetz beruht! Die Lehre dieser Institution muss in uns lebendig werden, oder die ganze Tora ist vergebens für uns geschrieben, und Tempel und Altar und Opfer und Feste sind für uns bedeutungslos und schaal. Diese Bedingung, diese Basis, dieser Boden, diese Voraussetzung, mit welcher alles steht und fällt, heißt: „Taharah“ hrhu! Ein späterer Sprössling des Judentums hat einige abgefallene Blütenblätter von dem großen, das verlorene Paradies auf Erden wieder bringenden „Baume des Lebens“ in den Schoß der Menschen gestreut, und schon der Duft dieser wenigen Paradiesesblüten hat eine ersterbende Menschheit vom Grabe zurück gerufen, hat neues Leben den Gemütern, neues Licht den Augen, neue Kraft und neue begeisternde Ziele dem Streben der Menschen gebracht. Und weil schon diese wenigen Blütenblättchen, wenngleich abgerissen, und oft fletriert, schon solches Wunder geübt, vermeint man bald in ihnen den ganzen Baum des Lebens zu haben, sah nicht, wie dies eben nur abgefallene Blütenblätter waren, deren Tausende den heimischen Boden dieses Lebensbaumes decken, und wunderte sich, dass in dem heimischen Kreise derselben von diesen Blüten so wenig gesprochen wurde – weil man dort allerdings an den Früchten sich labte, die Früchte laut und ewig pries, den Duft der Blüten aber nur still selig, als süße Wonnezugabe atmete. Eines dieser Blütenblätter trägt das Wort: Unsterblichkeit! Einer in Jammer und Elend, einer in Gram und Kummer, einer in Täuschung und Hoffnungslosigkeit verzweifelnden, in Leichtsinn und Entartung versinkenden Welt brachte dieses Wort die Aussicht auf ein Jenseits, und mit ihr den Trost einer alles vergütenden Zukunft, einer alle Rätsel lösenden Erleuchtung, einer in die Unendlichkeit reifenden Vollendung jenseitiger Seligkeit – und mit ihr den Ernst einer mit irrungsloser Waage vergeltenden jenseitigen Gerechtigkeit, - und erzeugte die Wunder eines Märtyrertums, dem es ein Leichtes ward, auf die Erde zu verzichten um den Himmel zu gewinnen. Und doch ist dieses Blatt der Unsterblichkeit nur ein abgefallenes Blütenblatt vom Paradiesesbaume des vollen jüdischen Lebens! Und doch konnte dieses Blatt der Unsterblichkeit eben durch seine abgerissene Einseitigkeit zugleich auf die trostloseste Weise alle höhere Bedeutung des irdischen Daseins verneinen, und zugleich seine unbeschriebene Kehrseite zur Verbreitung der noch trostloseren Lehre darbieten, zur Einimpfung des trostlosesten Gedankens, den je der sterbliche Geist des Menschen erdacht, des Gedankens eines unfreien Versunkenseins aller Menschenseelen in die Sünde und Verdammnis schaffende Gewalt des Bösen! Nicht also im heimischen Kreise dieses Lebensbaumes der Menschheit, nicht also auf dem Paradiesesboden der jüdischen Lehre! Dort ist „Unsterblichkeit“ nur ein Blütenblatt, nur eine Konsequenz, nur eine Seite eines unendlich volleren, unendlich umfassenderen, unendlich seligeren und beseligenderen, unendlich heiligeren und heiligenderen, und darum unendlich wichtigeren Gedankens, - dort ist Unsterblichkeit nur eine Fortsetzung ins Jenseits des großen Gedankens der „Tahara“, der „Reinheit“, d. i., der ureigenen, unverlierbaren und darum schon hiniedigen Freiheit, der schon hiniedigen Göttlichkeit und Seligkeit menschlicher Seelen. „Unsterblichkeit“ heißt Freiheit der Seele nach ihrem Scheiden aus der Hülle des irdischen Leibes. „Reinheit“ aber heißt Freiheit der Seele selbst während ihrer hieniedigen Vermählung mit dem irdischen Leibe. „Unsterblichkeit“ verheißt, dass dereinst der Tod keine Gewalt habe über die der Erde enthobene Seele. „Reinheit“ gibt die Gewissheit, dass schon auf Erden keine Macht der Natur Gewalt habe über die auch in ihrer irdischen Hülle reine, freigöttliche Menschenseele, ja, dass dieser Seele die göttliche Energie, die freie Kraft von Gott verliehen, während ihrer Ehe mit dem irdischen Leibe, diesen Leib selbst aus dem unfreien Getriebe des Naturzwanges zu sich empor zu retten und ihn frei als Werkzeug ihres Willens, frei als Boten ihrer Gedanken und ihrer Zwecke zu gebrauchen, Unsterblichkeit lehrt den einstigen, jenseitigen Aufschwung der menschlichen Seele in die beseligende Gottesnähe, „Reinheit“ lehrt den schon hieniedigen Seelenbund des Menschen mit Gott, lehrt schon die hieniedige Paradiesesseligkeit der Seele, die ungetrübte Ebenbildlichkeit dieses Gotteshauches in seiner freien Meisterschaft über die zu seinen Herolden und Dienern bestimmten Kräfte und Mächte des irdischen Leibes. „Der eine, einzige, frei über die Natur waltende Gott“, so lautet der eine Eckstein der jüdischen Lehre. „Die reine, freie, nur diesem einen, einzigen Gott unterstehende, in göttlicher Ebenbildlichkeit über die mit ihr vermählte irdische Natur frei waltende, göttliche Menschenseele“, so lautet der andere Eckstein dieser Lehre. Dies ist der Eckstein, die Grundbedingung der Lehre, welche Gott geboten: Der Wahn, als ob das „lebenstrotzende“ „vollkräftige“ Tier, als ob der lebenstrotzende, vollkräftige Leib, nicht zu „meistern“ sei, für den Wahn gibt´s keine Stätte, gibt´s keine Stätte im jüdischen Kreis! Draußen, wo der Kreis des menschlichen Wirkens aufhört, und das Naturleben beginnt, dort waltet das Reich der jochlosen Gewalten unwandelbarer Notwendigkeit. Aber auf dem Boden des Menschenwirkens, im Menschenkreise, finde die lebendige Natur ihren Meister an der Priesterhand des gottdienenden Menschen; nur unter der priesterlichen Meisterschaft des gottdienenden Menschen finde auch die mit dem göttlichen Menschengeiste vermählte irdische Natur Eingang in den Menschenkreis, ja werde sodann mit ihm heilig geweiht und gehoben zu Werkzeugen Gottes Willen auf Erden frei vollbringenden Tuns. Sprich darum, so lautet die Grundforderung des göttlichen Gesetzes, sprich zu Israels Söhnen: dir, dem Herold und Vertreter des göttlichen Gesetzes, und durch dich diesem Gesetze, diesem Ausdruck des göttlichen Willens, übergebe die jüdische Gesamtheit zum Nationalbekenntnis, das „Tier“, „lebendstrotzend“, „vollkräftig“, das außerhalb des Menschenkreises „ungebändigte“, und ihr übergebet es dem Priester. Der führt es hinaus, außerhalb des Kreises jüdisch menschlichen Wirkens, und „vynpl“, unter dem „bewusstvollen“ Priesterblick, meistere man es mit der tötenden, opfernden Hand. Und hmymt hmvda sei es, ,vm hb ]ya rsa sei es! Nicht erst wenn die Lebensfarbe erblasst, selbst in der jugendlichen, männlichen Fülle des Lebens, - und nicht nur einzelne Seiten dieses pulsierenden Seins und Wollens, ohne Rückhalt, unverstümmelt, ausnahmslos muss erst das Tier unter dem unverwandten Priesterbewusstsein gemeistert werden, ehe es in jüdischen Lebenskreis Eingang finden darf. Ungemeistert ist jedes Moment des tierischen Lebens und jede Seite des tierischen Lebens gebannt aus dem jüdischen Lager. Hinaus weist der Priester das ungebändigte Tier aus dem Lager. Aber nur ungebändigt, ungemeistert ist das Tierleben aus dem jüdischen Kreise gebannt; unter dem Priesterbewusstsein, von der Meisterschaft des Menschen beherrscht, darf es nicht nur in den Menschenkreis des jüdischen Lagers einziehen, hinein in das Allerheiligste weist der Priesterfinger jedem menschlich beherrschten Blutestropfen die Bestimmung der Weihe, auf dass, wie die ganze sechstägige Erdschöpfung das Sabbatsiegel des Gottesbündnisses trägt, also dieses Gottesbündnis, diese Sabbatvermählung mit Gott sich in jedem Pulsschlag unseres Herzens, in jedem Blutstropfen jedes einzelnen Menschen wiederhole und wir nicht nur jenseits einst zu einem seligen Leben erwachen, sondern wir schon hinieden, mit unserem ganzen Dasein, auch mit dem hinieden vom irdischen Blute getragenen Sein und Wollen, ein nur Gott untergebenes, zur ewigen Freiheit gehobenes Leben in seliger Gottesnähe gewinnen! Freilich, was von diesem tierischen Wesen nicht die Richtung ins Allerheiligste gewonnen, was nicht in diese Weihe an Gott zur freien Erfüllung seines heiligen Willens eingegangen, auch was nur Träger des zu Gott emporstrebenden Lebens gewesen, das sehen wir vor unseren Augen zu Staube zerfallen wie es vom Staube gekommen, das verfällt der auflösenden Allmacht der Elemente; davor sollen wir ebenso wenig das Auge verschließen; aber diese Vergänglichkeit ist kein eigentümliches Los des sterblichen Menschenleibes, dieses Los der Vergänglichkeit teilt er mit allem, was von dem „Ysop bis zur Zeder“ in der Welt des vegetarischen Lebens, mit allem, was vom „Wurm bis zum Säugetier“ in der animalischen Welt zum zeitlichen Dasein erstanden. Alles geht ein in dieselbe Auflösung der Elemente - und von dieser ganzen irdisch entstehenden und irdisch zerfallenden Welt wird nichts für die Ewigkeit, nichts für die schon hiniedige Unsterblichkeit gerettet, als der mit dem in unsterblicher Freiheit Gott ebenbildlichen Menschengeiste vermählte, mit ihm zu Gott empor strebende, für Gott empor waltende, seiende und wollende Blutstropfen des menschlichen Herzens! Das ist die Lehre von der hamvm, von der Gebundenheit, der Unfreiheit, der Sterblichkeit alles nicht zum reinen Menschendasein erstandenen irdischen Wesens; und das ist die Lehre von der hrhu, von der Reinheit, von der Freiheit, von der Selbstständigkeit und Ewigkeit alles in dem Menschen mit Gott vermählten irdischen Lebens! Und siehe, so oft ein Mensch oder ein dem reinen Menschenwirken angehöriges Werkzeug und Mittel mit einer Menschenleiche in Berührung gekommen, dürfen sie nicht eingehen in das Heiligtum der Gotteslehre, es sei denn zuvor eben diese Lehre erneut in´s Bewusstsein gebracht, die Lehre: Dass der Tod, d. i. die Unfreiheit, das Erliegen der bezwingenden Gewalt äußerer Mächte, auch für den Menschenleib erst mit dem Tode beginne. Nur die Leiche, die von dem Gott ebenbildlichen Menschengeist verlassene, von ihm nicht mehr beseelte zu Staube zerfallende Hülle gehört dem Reiche der hamvm an. Aber im Leben, mit diesem Gott ebenbildlichen Menschengeiste zu seinem Boten und Werkzeug für den Dienst Gottes auf Erden vermählt, gehört selbst der irdische Leib dem Reiche der hrhu, dem Reiche der Freiheit und selbstständigkeit an, und so lange der Puls in deinem Herzen schlägt kannst du und sollst du mit freier, göttlicher Kraft jeden Pulsschlag deines Herzens, jeden Blutstropfen deiner Adern, jeden Reiz deiner Nerven, jede Spannung deiner Muskeln im Dienste deines Gottes meistern und selbst diese, sonst der Vergänglichkeit hinfallenden irdischen Gestaltungen in die beseligende Gottesnähe schon hinieden hinüber retten. Der Lebendige hat mit dem Tode nichts zu schaffen. Vom „ewig lebenden Quell“ in „irdische Umschränkung“ abgeschöpftes Leben – zu zeitweiliger Vereinigung mit „irdischem Aschenstaub“ gemischt – das ist der Mensch! Aber das dem ewigen Quell entsprungene Leben ist das Ursprüngliche, ihm wird das Irdische zur zeitlichen Ehe zugeführt, Wie auch in der irdischen Mischung das Irdische täuschend als das Ursprüngliche erscheine, - dies Irdische selbst ist tauxh tprs rpi, trägt während dieser Vereinigung die Bestimmung: von dem, dem ewigen Leben entstammten priesterlich beherrscht zu werden, - und kommt die Mischung einst zur Ruhe, sinkt der irdische Aschenstaub zu Boden und rein und ungetrübt scheidet das dem ewigen Leben entflossene Leben aus – zur Höhe.

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