Abschnitt 9. Der Richter soll sich nicht bestechen lassen, doch kann er sich seine Zeitversäumnis bezahlen lassen

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§ 1. Der Richter muss sich gar sehr hüten, Bestechungen anzunehmen, selbst nicht von dem, der eine gerechte Forderung hat. Hat er es getan, so muss er das Geld demjenigen auf sein Verlangen wieder zurückgeben und die Sünder haftet ebenso gut auf dem Geber nach 3. B. M. 19, 14: Du sollst keinem Tauben fluchen und einem Blinden sollst du nichts in den Weg legen – du sollst niemandem Anlass zu sündigen geben – als auf dem Nehmer; selbst durch Worte darf sich der Richter nicht bestechen lassen. Kein Richter darf denjenigen richten, von welchem er Geld geliehen hat; ist aber der Richter selbst im Stande, jemandem Geld zu leihen (war er nur in diesem Augenblick nicht bei Gelde), so kann er ihn wohl richten, denn der Beteiligte kann ja wieder von dem Richter Geld leihen.

§ 2. Wenn der Kläger zuvorgekommen ist und dem Richter ein Geschenk zugeschickt hat, bevor er den Beklagten zitieren ließ, so kann dieser den Richter nicht verwerfen, der Richter müsste sich denn (aus Frömmigkeit) selbst in dieser Sache zu richten weigern, weil er merkt, dass er für den Schenker etwas mehr eingenommen ist.

§ 3. Es ist der Gebraucht, dass man zum Unerhalt der Richter eine allgemeine Sammlung hält, worin jeder nach Vermögen beitragen muss. Diese Beiträge werden entweder im Anfange oder am Ende des Jahres gesammelt; dies kann nicht als Bestechung oder Lohn betrachtet werden; denn es ist Pflicht für Israel, seine Richter und Weisen zu ernähren; ebenso kann man zur Unterhaltung des Gerichtes von den Geldgelübden und Vermächtnissen an das Heiligtum nehmen; noch besser ist es, wenn man die Beiträge am Anfange des Jahres einsammelt, damit die Richter auf da ganze Jahr u leben und nicht nötig haben, irgend jemanden zu schmeicheln und ihn zu bevorzugen.

§ 4. Jeder Richter, der viele Schreiber und Diener hält und dadurch der Gemeinde viele Kosten verursacht, ist unter diejenigen zu rechnen, die dem Raube nachjagen.

§ 5. Wenn ein Richter Lohn für das Richten nimmt, so sind alle seine Urteile ungültig, aber für seine Versäumnis kann er sich bezahlen lassen, wenn er nämlich ein bestimmtes Handwerk treibt; er darf jedoch von einem nicht mehr als vom anderen nehmen; treibt er aber sein gewisses Handwerk, so kann er nicht sagen, ich hätte vielleicht in dieser Zeit durch Handel oder Makelei etwas verdienen können (siehe Abschnitt 34, § 18).

§ 6. Kein Richter darf einen unwissenden Schüler vor sich sitzen lassen, wenn er zu Gericht sitzt; denn er könnte eine Sache mit ihm verhandeln und dadurch von der Wahrheit abgebracht werden.

§ 7. Wenn ein Schüler vor seinem Lehrer sitzt und merkt, dass derselbe einen Armen, auf dessen Seite das Recht ist, verurteilen will, und er schweigt dazu, selbst wenn der Schüler weiß, dass sein Lehrer nur nicht den Reichen verletzen will, muss er nach Beendigung des Gerichtes dem Richter sagen, er habe Unrecht und sollte den Armen bezahlen; der Schüler soll nicht schweigen, denn sonst begeht er eine Sünde, nach 2. B. M. 23, 7: Sei ferne von falschen Sachen.

§ 8. Wen ein Schüler sieht, dass sein Lehrer sich im Richten irrt, so soll er nicht warten, bis das Urteil völlig gefällt ist und dann erst solches mit Gründen umstoßen und seinen Lehrer anders zu urteilen bewegen, damit davon ihm die Ehre werde, sondern er soll seinem Lehrer gleich auf ehrerbietige Weise sagen: Mein Lehrer, so und so hast du mir einst gelehrt.

Abschnitt 8. Dass man keinen unrechtlichen Mann zum Richter einsetzen soll, und dass der Sohn eines guten, so wie die Strafe eines bösen Richters sehr groß ist

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§ 1. Wer einen unrechtlichen Mann zum Richter einsetzt, hat große Strafe zu erwarten; man darf keinen Unwissenden zum Richter einsetzen, der sich jedes Mal erst bei einem Gelehrten Rat holen muss. In Städten aber, wo keine Gelehrten sind, muss man die besten und klügsten auswählen, wenn sie auch nicht des Richteramtes würdig sind, damit sie nicht gezwungen werden, bei nichtjüdischen Gerichtshöfen zu erscheinen. Sind die Richter aber einmal von der Gemeinde ernannt und angenommen, so können sie nicht mehr verworfen werden. Vor einem Richter zu erscheinen, der des Geldes wegen eingesetzt ist, ist ein Sünder, noch mehr, es ist sogar recht, wenn man einen solchen Richter verachtet und verspottet.

§ 2. Die Richter müssen mit Angst, Gottesfurcht mit umgehängtem Talith, mit gebeugtem Haupte und nicht mit Leichtfertigkeit vor Gericht sitzen, es ist verboten, unnütze Reden im Gerichte zu führen, der Richter soll sich betrachten, als ob ein Schwert an seinem Halse läge und die Hölle unter ihm offen wäre, er soll wissen, wen (seinen Nächsten, einen Israeliten) er richtet, und vor wem (vor Gott) er richtet und wer ihn einst bestrafen wird, wenn er vom Rechte abgewichen ist; jeder Richter, der nicht der Wahrheit gemäß richtet, ist Ursache, dass die Schechina (Gottes Herrlichkeit) sich von Israel abwendet und jeder Richter, der ungerechterweise von einem Geld nimmt und es dem anderen zuwendet, handelt so, als wenn er ihm das Leben genommen hätte. Jeder Richter aber, der recht richtet, handelt so gut, als ob er die ganze Welt in Ordnung gebracht hätte und verursacht, dass die Schechina bei Israel bleibt.

§ 3. Die ersten Weisen haben sich auf alle mögliche Art zurückgezogen, um nicht zu Richtern eingesetzt zu werden, bis sie überzeugt wurden, dass kein anderer diese Stelle bekleiden, und dass durch ihre fernere Weigerung das Recht nicht gehandhabt werden konnte und auch dann haben sie das Richteramt nur nach vielen Bitten des Volkes und seiner Vorsteher angenommen.

§ 4. Der Richter darf sich nicht herrschsüchtig und hochmütig gegen die Gemeinde benehmen, sondern in Demut und Gottesfurcht; ein Vorsteher, der durch sein Benehmen verursacht, dass die Gemeinde übertriebene Furcht vor ihm hat, wird nie das Glück genießen, einen Sohn zu haben, der Gelehrter ist – hingegen aber darf auch die Gemeinde ihre Vorsteher nicht mit Geringschätzung betrachten, selbst wenn sie keine Gelehrte sind – und man soll nicht über die Köpfe der Häupter des heiligen Volkes einherschreiten. 7 Der Vorsteher muss die Last und Beschwerde seines Amtes mit Geduld ertragen; die Gemeinde muss ihm aber auch mit Ehrerbietung begegnen und Ehrfurcht vor ihm haben; der Vorsteher soll sich nicht verächtlich und leichtfertig vor der Gemeinde betragen, denn sobald jemand als Vorsteher eingesetzt ist, darf er nicht in Gegenwart von drei Personen sein Handwerk betreiben (die früheren Talmudisten, Gelehrten, Rabbiner, Vorsteher, haben alle ein Handwerk betrieben), geschweige, dass er in Gegenwart von Vielen essen und trinken (und sich betrinken) darf. Jeder Richter muss jemanden haben, der ihn berdient, sonst darf er kein Richter sein.

§ 5. Auch den Gerichtsboten darf man nicht geringschätzig behandeln; das Gericht ist befugt, die Verächter desselben mit einer Züchtigung (Schläge) zu bestrafen; der Bote ist beglaubt, wenn er sagt, dass ihn jemand verächtlich behandelt hat und derjenige wird mit Bann bestraft. Der Bote wird in diesem Falle nicht als Verläumder betrachtet, auch kann er sich selbst Recht verschaffen durch Schläge.

Abschnitt 7. Wer richten kann, und wenn die Richter in Feindschaft oder Verwandtschaft miteinander sind

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§ 1. Ein Gericht von drei Personen, von welchen einer ein Proselyte ist, darf einen geborenen Juden nicht richten, sein Vater oder seine Mutter müsste denn von jüdischer Herkunft sein; aber ein Proselyte kann einen Proselyten richten.

§ 2. Ein Mamser (Bastard) von jüdischen Eltern aber im verbotenen Grad erzeugt, und wenn auch alle drei Richter Mamserim wären, können doch unbedingt in allen Sachen richten. Ein auf einem Auge Blinder kann auch richten, aber nicht einer, der auf beiden Augen blind ist.

§ 3. Einige wollen, dass der Richter 18 Jahre alt sein und die beiden Haare am männlichen Glied haben müsse; andere aber behaupten, wenn er nur über 13 Jahre alt ist, ohne die beiden Haare zu haben, sei er schon zum Richterstand tauglich.

§ 4. Eine Frau kann nicht richten.

§ 5. Von Wein Betrunkene können, nach einigen Rabbinern, was Geldsachen betrifft, richten. Wenn jemand bei einer Sache Zeuge gewesen, so kann er über dieselbe nicht Richter sein; wenn aber drei Richter z. B. etwas bei Tage gesehen haben und ihre Absicht war wirklich die Sache zu bezeugen, so können sie auch Richter in dieser Sache sein; haben sie die Handlung aber bei Nacht gesehen, so können sie über dieselbe nicht richten, wenn nicht besondere Zeugen da sind. Sind die Richter zitiert, um Zeugen zu sein, so können sie nicht richten, wenn auch noch andere Zeugen da sind. Einige Rabbiner wollen, dass wenn noch andere Zeugen da sind, sie doch richten können. Bei Sachen aber, die nur von den Talmudisten verordnet sind, kann auch ein Zeuge Richter sein.

§ 6. Wenn jemand zitiert wird, vor einem Richter zu erscheinen, der weniger gelehrt ist, als er selbst, so kann er nicht gezwungen werden zu erscheinen, sondern man sieht unter den dortigen Gelehrten nach und macht die Sache zwischen beiden schriftlich ab.

§ 7. Niemand darf seinen Freund richten, selbst wenn es sein intimer Freund ist, auch nicht seinen Feind, und wenn es auch nicht sein außerordentlicher Feind ist, sondern die beiden Parteien müssen den Richtern ganz gleichgültig sein; wenn sie den Richtern gänzlich unbekannt sind, ist es am Besten (in allen diesen Fällen, wenn die Richter einmal geurteilt haben, bleibt ihr Urteil, auch sind darin verschiedene Meinungen, was ein Freund und ein Feind in dieser Hinsicht heißt; wenn z. B. ein Richter jemanden mit Bann belegt hat, weil er seine Ehre als Gelehrter verletzt hat, so kann er in der Folge doch sein Richter sein, denn er wird nicht als sein Feind betrachtet).

§ 8. Zwei Gelehrte, die miteinander befeindet sind, dürfen nicht zusammen im Gerichte sitzen.

§ 9. Die Richter dürfen nicht miteinander verwandt sein, auch nicht mit den Zeugen und dürfen auch keine Sünde auf sich haben.

§ 10. Wenn ein Richter weiß, dass sein Mitrichter ein Räuber oder Bösewicht ist, so darf er sich nicht mit ihm zu Gericht setzen.

§ 11. Jeder der drei Richter soll folgende sieben Eigenschaften besitzen: 1. Weisheit, 2. Demut, 3. Gottesfurcht, 4. er muss ein Feind Des Geldes sein, 5. muss Menschliebe besitzen, 6. muss Liebe und Wahrheit und 7. einen guten Namen haben.

§ 12. In einer Sache, von welcher der Richter nur irgendeinen entfernten Vorteil hat, darf er nicht Richter sein.



Abschnitt 6. Wie groß die Summe sein muss, um darüber zu Gericht zu sitzen

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§ 1. Über weniger als eine Prutah (Wert 1 ½ Pfennige) findet keine Sitzung statt; hat man aber damit angefangen, so kann man auch über weniger zu richten fortfahren.



Abschnitt 5. An welchen Tagen und zu welcher Tageszeit man richten kann

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§ 1. An Sonnabenden und Feiertagen darf man nicht richten und an diesen Tagen gefällte Urteile haben keine Gültigkeit.

§ 2. Auch an den Vorabenden der Sonnabende und Feiertage darf man nicht zu Gericht sitzen, und wenn jemand auf diesen Tag zitiert ist, braucht er nicht erscheinen. Zitationen darf man an diesen Tagen nicht ausstellen, wenn auch der Zitierte erst nach dem Sonnabend oder Feiertage kommen soll. In den Monaten Nisan und Tischri (gewöhnlich März und September), die Zeit der jüdischen Feiertage, Pessach und Neujahr, Versöhnungstag, Laubhüttenfest, darf niemand, der nicht in der Stadt ist, zitiert werden, jedoch kann die Zitation in diesen Monaten ausgestellt werden, damit man nachher erscheine und bei Nichterscheinung folgt Strafe. Bei Nacht darf man nicht anfangen zu richten, hat man aber bei Tage angefangen, so kann man bis in die Nacht fortfahren.

§ 3. Die ordentliche Zeit der Gerichtssitzung ist vom Morgen bis zu Ende der fünften Stunde; länger haben die Richter nicht nötig zu sitzen. 6

§ 4. Mit dem Anfang der siebenten Stunde darf man sich nicht zu Gericht setzen, selbst nicht, um das Urteil zu fällen, bis man das Mincha (Abend=)gebet verrichtet hat; hat man aber schon angefangen zu richten, so kann man fortfahren, es muss aber noch Zeit zum Beten übrig bleiben, wenn das Urteil gesprochen ist.

§ 5. Sobald die Beteiligten angefangen haben zu sprechen oder die Richter sich mit dem Talith behängt haben, so ist dies als Anfang der Gerichtssitzung zu betrachten.

Abschnitt 4. Aus welcher Art jemand sich selbst Recht verschaffen kann

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Wenn einer seine (geraubten) Sachen in der Hand eines anderen sieht, so kann er solche mit Gewalt wegnehmen, wenn er auch den Nächsten prügeln müsste, selbst wenn er seinen Nachteil davon hätte, falls er wartete, um den Räuber erst zu Gericht zu fordern; er muss jedoch in der Folge beweisen können, dass die Sache ihm wirklich gehöre. Wegen einer Schuld darf er aber den Nächsten nicht pfänden. (Siehe Abschnitt 97, § 6.) Auch durch die Vermittlung eines Nichtjuden darf sich niemand selbst Recht verschaffen. Wenn einer gegen viele ist und diese sind überzeugt, dass das Recht bei ihnen ist, so können sie sich selbst Recht verschaffen und wenn der eine prozessieren will, so muss er erst Bürgschaft stellen, weil viele gegen einen, als im Besitze der Sache zu betrachten sind; besonders wenn es sich darum handelt, dass der eine Zins (Abgaben) bezahlen soll. Ist der eine aber ein Gelehrter, so braucht er keine Bürgschaft zu stellen. Bei Zahlung von Abgaben kann man sich auch der Vermittlung eines Nichtjuden bedienen, wenn man den Gegner nicht auf eine andere Weise dazu zwingen kann.

Abschnitt 3. Aus wie vielen Personen ein Gericht bestehen muss

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§ 1. Ein Gericht muss aus drei Personen bestehen, nicht aus weniger; diese Drei können auch Ungelehrte sein. (Aber Einer von ihnen muss wenigstens die verschiedenen Meinungen der Gesetzgeber kennen, sonst können sie nicht richten; jedenfalls können sie die Klagen anhören und dieselben einem gelehrten Richter zuschicken; dann muss ihr Urteil angenommen werden. Wenn aber der Beklagte gleich von vornherein mit den drei Personen, die der Kläger gewählt hat, nicht zufrieden ist, so wählt jede der Parteien einen Richter und diese beiden Richter wählen den dritten (siehe weiter unter Abschn. 13) und mir deucht, wenn fest angestellte Richter sich in der Stadt befinden, müssen diese durchaus von beiden Parteien angenommen werden.)

§ 2. Das Urteil von weniger als drei Richtern gilt nicht, selbst wenn es richtig wäre, es müssten denn beide Parteien die Richter einstimmig angenommen haben oder einer von den Richtern als probat bekannt sein; aber selbst in diesem Falle müssen die Parteien mit dem Urteile zufrieden sein, sonst gilt, wenn auch diese zwei Richter von den Richtern im gelobten Lande autorisiert sind, selbst die Aussage vor ihnen, weil ihrer nur zwei sind, nur als eine Aussage außer dem Gerichte; die Parteien können ihre Aussage wieder zurücknehmen oder verändern; wenn jemand von ihnen eine Sache leugnet und es kommen Zeugen gegen ihn, so wird er deshalb doch nicht als Lügner betrachtet. Das findet aber nicht statt, wenn das Gericht aus drei Personen besteht.

§ 3. Obschon es erlaubt ist, dass auch ein als allgemein bekannt erprobter Richter, der die Erlaubnis zu richten hat, allein richten kann, so ist doch der Befehl der Weisen da, dass noch andere Richter bei ihm sein sollen.

§ 4. Obgleich ein Gericht aus drei Personen ein vollständiges ist, so ist es noch gut und lobenswert, wenn es aus recht vielen Personen besteht und sie alle gelehrt sind. Kein Gelehrter darf zu Gericht sitzen, wenn er sich nicht zuvor erkundigt hat, wer seine Beisitzer und ob sie rechtliche Männer sind. Wer nicht probat ist oder wen die Beteiligten nicht gutwillig angenommen haben, selbst wenn er vom Oberrabbiner der Provinz Erlaubnis zu richten erhalten hätte, dessen Ausspruch ist nicht gültig, auch wenn er recht gerichtet hat. Jede Partei kann sich, wenn sie will, an andere Gerichtshöfe wenden. Die Erlaubnis, die der König in jetzigen Zeiten einem Rabbiner zum Richten gibt, gilt nicht, die Gemeinde müsste denn diesen gutwillig angenommen haben. Einige wollen, dass, wenn der Rabbiner gelehrt ist, die Erlaubnis des Königs oder auch seines Stadthalters für ihn genüge. Jedenfalls muss derjenige, der ohne Erlaubnis der Gemeinde richtet, einst in jenem Leben Rechenschaft geben.

Abschnitt 2. Das Gericht kann geißeln und strafen lassen, wenn Zeit und Umstände es erfordern

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§ 1 Wenn ein Gericht einsieht, dass das Volk frech und in Sünde versunken ist, so kann es bestrafen (wenn die Notwendigkeit es erfordert) mit dem Tode, mit Geld und mit jeder anderen Art Von Strafe, wenn auch keine förmlichen Zeugen über das Verbrechen vorhanden sind. Ist der Verbrecher ein Gewaltiger (***, Ulm) 4, so lässt man ihn durch einen Nichtjuden züchtigen. Das Gericht hat die Macht, des Verbrechers 5 Vermögen preiszugeben und ihn zu vernichten, um dadurch einen Zaun gegen die Frechheit des Volkes zu machen. Alle Handlungen des Gerichtes müssen aber in der Absicht geschehen, den Schöpfer zu verherrlichen, das Gesetz zu erhalten und solche Handlungen müssen durch einen berühmten Gelehrten oder durch die Vornehmen der Stadt, welche von der Gemeinde als Gericht angenommen worden sind, geschehen. Man richtet sich hierin in Allem nach den Gebräuchen der Stadt. Wenn jemand einer Strafe von 39 Schlägen schuldig geworden ist, so steht es dem Gerichte frei, ob es ihm die Strafe gegen Erlegung von 40 Gulden erlassen will.

Abschnitt 1. Über die Einsetzung der Richter in- und außerhalb des gelobten Landes (Palästina)

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§1. Zu dieser Zeit (nach der Zerstörung Jerusalems)1 können alle Richter, wenn sie auch nicht vom gelobten Lande her autorisiert sind, über Bekenntnisse, ² d.h. sie können Recht sprechen, wenn Zeugen Aussagen, dass jemand gestanden hätte, er wäre dem N. Geld schuldig oder sie seien beim Leihen des Geldes gegenwärtig gewesen; ferner können sie Recht sprechen über die Morgengabe der Frau, über Erbschaften, Schenkungen und über Geldschaden, denn viele Sachen kommen gewöhnlich vor und es ist auch Geldverlust dabei; aber in Sachen, welche nicht gewöhnlich sind, wenn auch Geldverlust dabei ist, z. B. wenn jemand zur Strafe etwas doppelt bezahlen muss, der Dieb, 2. B. M. 21, 37, 40, ebenso alle Strafen, die Weisen verordnet haben, z. B. wenn jemand seinem Nächsten ins Ohr bläst und er wird dadurch erschreckt, oder er ohrfeigt ihn, oder in Fällen, wo jemand zur Strafe mehr zahlen muss, als der angerichtete Schaden beträgt oder auch nur die Hälfte desselben mehr, z. B. bei einem Ochsen, der zum ersten Mal Schaden angerichtet hat, 2. B. M. 21, 35, in solchen Sachen können nur probate (im gelobten Lande ordinierte) Richter Recht sprechen, ausgenommen, wenn ein Ochse oder sonst ein Tier auf öffentlichen Plätzen durch das Ausschlagen mit dem Fuße eine Erdscholle oder einen Stein zurückgeworfen und dadurch irgend ein Gefäß zerbrochen hat, wo nur die Hälfte des Schadens zu entrichten ist, denn dies ist Geldsache und keine Strafe.

§ 2. Wenn jemand seinen Nächsten verwundet hat, können Richter, die nicht im gelobten Lande ordiniert sind, darüber nicht richten, was nämlich den Ersatz für den Schaden, falls er ein Glied seines Körpers verloren hat, und für den Schmerz betrifft, wohl aber können sie über die Zeitversäumnis und Heilungskosten richten. Einige Rabbiner wollen, dass auch diese nicht von Richtern, die nicht im gelobten Lande ordiniert sind, abgeurteilt werden dürfen, auch nicht über Fehler, Schande, die durch Verwunderungen entstanden sind, z. B. bei Überredung oder Notzüchtigung einer Jungfrau, auch nicht über die Auslösung, die jemand geben muss, wenn sein stößiger Ochse einen Menschen getötet hat und der Eigentümer des Ochsen gewarnt wurde, diesen zu hüten, 2. B. M. 29, 30; aber der Gebrauch ist Nicht so, sondern auch nicht im gelobten Lande ordinierte Richter können den Verwunder zwingen, den Verwundeten zu besänftigen oder, wenn er an der Wunde gestorben ist, dessen Verwandte, und sie können den Verwunder nach Gutachten strafen.

§ 3. Wenn ein Mensch von einem Tier beschädigt wird, so können über die Strafe, die der Eigentümer erleiden muss, nur erprobte Richter urteilen, weil das etwas Ungewöhnliches ist. Der Mensch hütet sich gewöhnlich vor Tieren. Wenn aber jemand das Tier seines Nächsten beschädigt oder wenn ein Tier mit dem Zahne oder Fuße Schaden angerichtet hat und der Eigentümer desselben ist gewarnt worden, dass er es hüte; ebenso wenn jemand gestohlen oder geraubt hat, kann jeder Richter darüber urteilen. Beim Stehlen und Rauben können sie nur über die Zurückgabe des Bestohlenen oder Geraubten richten, aber nicht über Strafen usw.

§ 4. Alle Schäden, welche mittelbar verursacht worden, auch einen Verräter³ kann jedes Gericht aburteilen. Wenn Zeugen absichtlich falsch gezeugt haben und das Gericht hat auf ihre Aussage Geld verabfolgen lassen, man kann aber dieses vom Empfänger nicht wieder zurückerhalten, so kann jedes Gericht die Zeugen zum Ersatz des Geldes zwingen.

§ 5. Jedes Gericht kann Denjenigen, welcher irgendeine Geldstrafe zu zahlen schuldig ist, so lang mit Bann belegen, bis der Kläger befriedigt oder der Beklagte ihm so viel gibt als Recht ist. Hat der Beteiligte den Schuldner gepfändet und sich selbst Recht verschafft, so lässt man es ihm (das Gepfändete); sagt dieser aber, das Gericht möge bestimmen, wie viel er pfänden soll, so hört man ihn nicht an, sondern, wenn er schon gepfändet hat, man sagt ihm, wie viel er davon behalten kann. Das ist jedoch nur der Fall bei festgesetzten Strafen; aber solche die jedes Gericht zu diktieren im Stande ist, kann es auch vollziehen lassen.

§ 6. Wenn Einer jemanden durch Worte beschämt, den kann jedes Gericht mit Bann belegen, bis er den Beschämten standesgemäß befriedigt hat (nach dem jerusalemischen Talmud ist die Strafe ein Pfund Gold); besonders, wenn jemand einen Alten (Gelehrten) beschimpft hat. Ob jemand, der die Strafe von 39 Schlägen haben soll, diese mit Geld abbüßen kann, wird im folgenden Abschnitte vorkommen.